Allein im Wald

Die Schülerin Natalie Weschenberger vom Gerhart-Hauptmann-Gymnasium Wernigerode schildert die Ereignisse aus dem gemeinsamen Trainingslager des Eishockeysportvereins Schierke und der Young Saale Bulls aus Halle.

Ski fahren im Wald. Foto: Pixabay

Alles fing damit an, dass sich der Eishockeysportverein – kurz ESV – Schierke und die Young Saale Bulls aus Halle in der Ferienwoche vom 11. bis zum 15. Februar zu einem Powerplay, einem Trainingslager mit 4 Trainingseinheiten täglich, trafen. Eingeladen waren Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren. Die Trainingswoche würde sehr anstrengend werden, das war allen bewusst, aber alle Teilnehmer trainierten voll motiviert und konnten schon in den ersten Tagen sehr viel Neues lernen und erste Fortschritte erkennen. Auch die Trainer waren begeistert von ihren Schützlingen und entschlossen, ihnen am vierten Trainingstag etwas ‘Erholung’ zu bieten. Niemand konnte ahnen, wie sich diese Belohnung entwickeln würde.

Der erste Trainingstag begann wie jeder andere, die Kinder der Saale Bulls und des ESV trafen sich zum gemeinsamen Frühstücken und brachen anschließend zu den ersten Trainingseinheiten auf. Es waren nur drei Trainigseinheiten angesetzt, die Trainer hatten den Kindern angeboten, das Wetter mal auf Brettern anstatt auf Kufen zu genießen und ein wenig Skilanglaufen zu gehen. Natürlich war dies nichts für alle Altersklassen. Die kleineren Kinder duften wählen, ob sie lieber Langlaufen oder Rodeln gehen wollten. Schlussendlich entschieden sich doch auch viele der jüngeren Kinder für das Skifahren, außerdem gab es noch die älteren Kinder, die noch nie zuvor auf Skiern standen. So wurden die Kinder in verschiedene Teams eingeteilt, die schnelleren, erfahreneren waren „Team Speed“ und die langsameren Neulinge waren „Team Spaß“. So ging es los.
Nach dem letzten Eistraining für diesen Tag in der Schierker Feuerstein Arena holte sich jeder, der mitkommen wollte, ein Paar Ski im Ski-Verleih bei Bernd Riemenschneider, dem Chef des ESV. Nach dem Essen im Hotel Brockenscheideck ging es los. Die Ski wurden angezogen und man zog gemeinsam los. An einer Gabelung teilten sich die Teams auf, ein Team sollte rechts, das andere links herum fahren und später würde man sich für den Heimweg in die Jugendherberge wieder treffen. Doch es kam anders.

Für Team Spaß lief alles wie am Schnürchen, man erreichte den vereinbarten Treffpunkt in der angepeilten Zeit – doch auch nach zweieinhalb Stunden war Team Speed noch immer nicht zu sehen. Es war mittlerweile halb fünf und es wurde kalt und begann zu dämmern. Team Spaß beschloss, allein den Heimweg anzutreten, vielleicht hatte man sich ja verpasst und Team Speed wartete bereits ungeduldig in der Herberge? Aber so war es nicht, auch in der der Jugendherberge keine Spur von Team Speed! Sie mussten sich verlaufen haben! Hektisch versuchten die Kinder und Betreuer, jemanden vom Team zu erreichen – zunächst vergeblich! Gegen 18 Uhr, draußen war es inzwischen stockdunkel und bitterkalt, war es endlich soweit und es gab die ersehnte Information. Team Speed hatten sich tatsächlich verlaufen, anscheinend waren sie falsch abgebogen und kamen nie am vereinbarten Treffpunkt an. Auf die frohe Botschaft folgte der nächste Schock, einem der Kinder, Luca (11), ging es immer schlechter. Rettung musste her, die Bergwacht war die letzte Chance.
Gesagt, getan. Alle Kinder guckten aufgeregt an den Fenstern, wie die Bergwacht mit lauten Sirenen vorbeifuhr, um sich auf die Suche nach ihren Teamkollegen zu machen. Kurz nach 20 Uhr waren endlich alle wieder vereint. Die Älteren schlossen sich in die Arme und waren einfach nur froh, sich wieder zu sehen. Jetzt war alles fast wieder gut, denn Luca erlitt eine Unterkühlung, durfte aber in der Herberge bleiben. Alle halfen mit, die Großen schmierten Stullen und die Kleinen waren einfach nur für ihn da.
So ging ein aufregender Tag doch noch gut zu Ende und alle waren noch ein kleines Bisschen enger zusammengewachsen. Eins war aber allen klar – allein in einem unbekannten Wald würde so schnell niemand mehr unterwegs sein.

Von Natalie Weschenberger
Klasse: 8a
Gerhart-Hauptmann-Gymnasium Wernigerode

Quellen: eigenes Erlebnis