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Atomkraft – gefährlich oder klimafreundliche Alternative?

Obwohl die Corona-Krise alle aktuellen Probleme zu überschatten scheint, ist die Klimadebatte immer noch eines der wichtigsten und langlebigsten Probleme der modernen Politik. Diskussionen scheinen die Gesellschaft zu spalten, obwohl dies in der aktuellen Situation in den Hintergrund zu rücken scheint. Dennoch gibt es weiterhin Debatten. Mit der Klimakrise wird oft der Begriff „Energiewende“ in Verbindung gebracht, welcher seit neuem einen speziellen Lösungsansatz verfolgt: Im Zusammenhang mit klimaneutraler Energieproduktion brachten Wissenschaftler nämlich die Nutzung von Atomkraft ein.

Als Energiewende wird der Umstieg von fossilen Brennstoffen auf CO2 neutrale Energieproduktion angesehen. Vor allem der Umstieg auf erneuerbare Energien steht für Deutschland und viele weitere Länder im Vordergrund. Projekte, wie z.B. der Kohleausstieg bis Ende des Jahres 2038 sollen dieses Streben fördern. Die Frage ist nur: Woher soll die ganze Energie gewonnen werden, die durch Kohle, Gas und Co geliefert wurde? Die Antwort liegt wohl auf der Hand, jedoch lässt sich ein Plan mit erneuerbaren Energien langsam und schwerfällig umsetzen, was die Vergangenheit auch gezeigt hat. So brachten einige Länder der EU die Nutzung von Atomenergie als neues Zentrum der Diskussion ein. Auch junge Aktivistengruppen trugen dieses Thema vor kurzem als neuen Höhepunkt der Debatte vor. Da die Gefahren der Atomkraft durch zahlreiche Katastrophen allgemein bekannt sein sollte, war die Empörung zunächst groß, vor allem bei einer Gruppe, die sich für eine umweltfreundliche Energieproduktion einsetzt. So scheint der Vorschlag den Prinzipien der Energiewende, auf den ersten Blick, zu widersprechen. Aber genau diese erfüllt Kernenergie nur zu gut: Die CO2 neutrale Produktion von Energie. Allgemein soll nicht komplett auf Atomkraft umgestiegen werden, sie wird eher als potentielle Übergangslösung angesehen.

Ihre Blütezeit hatte die Atomkraft Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Damals war die Atomkraft, sowohl auf dem Markt als auch in der Wissenschaft, ein völlig neues Themengebiet. Für kleinere Investoren war Atomkraft ein hohes Risiko, andere hatten die Hoffnung auf billige, saubere und beinahe unbeschränkte Energie. Obwohl die Gefahren schnell klar wurden, wird heute auf Visionen damaliger Wissenschaftler zurückgewiesen. Ein wichtiger Punkt ist außerdem, dass Atomreaktoren weiterentwickelt worden sind, außerdem sind sie sicherer als damals, was auch das finanzielle Risiko verringert. Ein entscheidendes Argument, was auch Experten, wie Microsoft Gründer Bill Gates, aufführten, ist, dass Atomkraftwerke bei der Produktion kein Kohlenstoffdioxid ausstoßen, was der Atmosphäre schaden könnte. Für viele wiegt das die Nachteile wieder auf, auch, dass die Kernenergie Gefahren birgt, die langfristig gesehen gar nicht so verheerend wären, wie jene der fossilen Energiegewinnung. Auch wenn man die Opfer von Fukushima oder Tschernobyl beachtet, soll Atomkraft statistisch gesehen für weniger Tode verantwortlich sein, als Kohle, Gas und Öl. Diese machen sich praktisch nur indirekt bemerkbar.
Wie bereits erwähnt, hat sich der Katastrophenfaktor bei modernen Kraftwerken zurückgebildet, was jedoch keinesfalls heißt, dass man ihn ignorieren sollte oder kann. Nukleare Verseuchung von Gebieten stellt auch heute noch eine sehr große Gefahr dar, selbst bei den Katastrophen, die seit über 50 Jahren vergessen zu sein scheinen.
Genau solche Argumente sind in großen Zahlen auf der anderen Seite der Debatte vertreten. Was auch beachtet werden sollte, ist, dass Deutschland noch keine Pläne für ein nukleares Endlager hat. Nachdem die Brennstäbe in Reaktoren verbraucht sind, was erst nach vielen Jahren geschieht, bleiben Rückstände nuklearer Spaltprodukte mit hoher Radioaktivität. Dieser Müll muss irgendwo, außerhalb der Reaktoren, gelagert werden. Das einzige europäische Land, welches derzeit konkrete Pläne für ein Endlager hat, ist das kleine Finnland.

Viele Argumente der Gegenseite sind auch auf politische oder gesellschaftliche Probleme zurückzuführen. Erst wenn auch diese abstrakteren Probleme gelöst sind, könnten Menschen die Atomkraft nutzen, um sich wichtigeren Problemen zu stellen. Viele sehen auch in der aktuellen Weltpolitik ein Hindernis, was der sauberen Nutzung von Atomkraft im Weg steht. Ein aktiver Atomreaktor findet nämlich nicht nur Verwendung, um Energie zu erzeugen, auch werden solche für aktive Experimente genutzt, auf dessen Basis nukleare Waffen konstruiert werden können. Die Regierung vieler Internationaler Großmächte strebt die Entwicklung solcher Waffen an, vor allem um ihre Macht nach außen zu sichern.
Nach der Entdeckung dieser Probleme und während des kalten Krieges hielten sich viele Länder von der Atomkraft ab, da das Risiko in vielen Bereichen zu hoch schien. Jedoch hat sich die Welt und vor allem die Technologie dieser Zeiten bis heute stark verändert. Atomreaktoren sind nicht mehr mit einer so hohen Fehleranfälligkeit versehen wie damals. Hierzu sollte jedoch auch erwähnt werden, dass vielen dieser Katastrophen nicht immer direkt Unsicherheiten der Reaktoren zugrunde liegen. Manche Unfälle basieren auch auf Naturkatastrophen (Fukushima). Andere, wie zum Beispiel der Unfall in Tschernobyl 1986, sollen auf grobe Fehler der Besatzung zurückzuführen sein.
So ist es umso wichtiger, solche Fehler und Unsicherheiten zu vermeiden und so gut es geht, mit Vorteilen auszugleichen. Der größte Vorteil der Atomkraftwerke heute ist die klimaneutrale Energieproduktion gegenüber herkömmlichen Kraftwerken und Energieträgern. Klimaschutz spielte Ender der 70er Jahre keine annähernd so große Rolle wie heute.
Viele Meinungen weisen darauf hin, dass sich Deutschland an positiven Beispielen Europas orientieren soll. Frankreich und Finnland zählen heute zu den Ländern mit der saubersten Energieversorgung weltweit. Hier besteht diese zu weniger als 10% aus fossilen Brennstoffen – in Deutschland sind es bis zu 60%. Neben erneuerbaren Energien und Wasserkraft, zu welcher wir nur bedingt Zugang haben, besteht der Energiehaushalt zu jeweils 71 – und 41% aus Atomkraft (siehe Diagramm ABB1). Und obwohl Projekte wie die Energiewende und der Kohleausstieg positive Beispiele sind, sinken zwar die Prozentzahlen der fossilen Energiegewinnung, während die totalen Werte jedoch steigen. Atomkraftwerke werden genauso schnell vom Netz genommen, wie neue, erneuerbare Energiequellen angeschlossen werden. So wird der Fortschritt, der zumindest auf dem Papier besteht durch den Atomausstieg bis zum Jahr 2022 zunichte gemacht. Atomkraft soll also nicht als finale, dauerhafte Lösung gesehen werden. Sie soll oder kann vielmehr eine Übergangslösung sein, um unsere aktuellen klimatischen Probleme zu überbrücken.

Energiehaushalt von Fr. und Fn. (Diagramm wurde selbst erstellt)

 

Von Fynn Schwenzer
Klasse: 8.3
Werner-von-Siemens-Gymnasium Magdeburg

 

Quelle:

ABB1: Energiehaushalt von Fr. und Fn. (Diagramm)*
* Diagramm selbst erstellt, Daten von https://ourworldindata.org/energy-mix