Aus Holz Strom

In Magdeburg wird aus Holz Strom. Das im Januar 2016 in Betrieb genommene Biomasseheizkraftwerk in Magdeburg-Cracau ist doppelt effizient – Strom und Wärme für zahlreiche Magdeburger Haushalte werden hier erzeugt. Das Kraftwerk steht auf einem nur etwa 10.000 m² großen Areal, das auch vorher schon für Gewerbe genutzt wurde.

Thomas Pietsch, Leiter von Vertrieb und Handel der SWM, gab uns einen detaillierten Einblick in das Funktionsprinzip der Anlage.
In der Anlage wird das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung angewandt. Strom und Wärme werden zu Haushalten in der Umgebung geleitet. „Die Holzschnitzel, die wir verbrennen, kommen ausschließlich aus der nahen Umgebung. Sonst wäre es für alle einfach zu teuer“, erzählte Pietsch. Täglich liefern acht LKW von je etwa 24 Tonnen das Holz, das zwischengelagert wird. Einmal pro Tag transportiert dann ein Radlader die Stücke zu Schubböden. An diese schließt sich ein Förderband an, über das die Holzschnitzel zum Ofen gelangen. Hier wird durch die entstehende Wärme eine Turbine angetrieben. Sie erbringt eine Leistung von 2.300 PS. Die Turbine erzeugt Strom, den zahlreiche Magdeburger dann nutzen können. „Um die Abgase zu reinigen, haben wir zusätzlich drei Elektrofilter eingebaut“, sagte Pietsch. „Damit entsteht nur noch ein halbes Milligramm Feinstaub pro Kubikmeter. Diese Werte werden regelmäßig kontrolliert.“ Das Werk wird etwa alle 3 Monate abgeschaltet und gereinigt. Die Asche, eigentlich nur ein Restprodukt, wird an Bergwerke geliefert, die diese gezielt weiterverwenden können. „Unschön ist es, wenn Fremdstoffe – etwa Plastik – zwischen den Holzschnitzeln liegen. Das Kraftwerk schaltet sich dann automatisch ab“, meinte Pietsch. „Danach müssen Mitarbeiter kommen und natürlich den Fehler finden.“ Dies sei für die Magdeburger aber nicht problematisch. Ein Reservekessel mit Erdgas versorge die Haushalte, bis die Anlage die Arbeit wieder aufnehmen kann. „Im Sommer wird nicht die volle Leistung erbracht“, fuhr Pietsch fort. „Das Werk kann jederzeit auch komplett von der Ferne bedient werden. Das wurde uns sogar von der Europäischen Union offiziell erlaubt.“ Der Bau der Anlage sei allerdings auch mit Problemen verbunden gewesen. „Von Seiten der Bewohner im näheren Umkreis kamen Bedenken wegen möglicher Gerüche, die vom gelagerten Holz ausgehen“, erinnerte sich Pietsch. „Man hat intensive Gespräche geführt und sich auf eine sechs Meter hohe Mauer geeinigt, die die Holzlagerstätte hinter dem Werk abschirmen soll.“

Immerhin – heute kann sich niemand mehr beklagen. Das Werk ist ein Energie- und Wärmelieferant für Magdeburg. Ein solches Biomasseheizkraftwerk ist eine gute und effiziente Idee, ein Vorbild für die Zukunft.

Von Arne Berlin, Klasse 8a, Europaschule Gymnasium Gommern