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Beruf der Physikerin wie aus dem Film- Gibt es das?

Die Physikerin, die uns diesen Berufszweig genauer erklärt, ist Sara Grollius. Sie arbeitet am Fraunhofer-Institut für mikroelektronische Schaltungen und Systeme in Duisburg. Kennengelernt habe ich sie über ein Programm, welches Mädchen die MINT-Berufe – Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – vorstellt und näherbringt. „Ich möchte einfach dazu ermutigen Sachen auszuprobieren“, sagt sie im Interview. Wie sie zu einem MINT-Fach gekommen ist, was sie fasziniert und wie es funktioniert, erzählt sie uns hier genauer.

Wie genau bezeichnet man Dich?

Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem Forschungsinstitut. Man kann auch wissenschaftliche Mitarbeiterin an einer Universität sein, aber bei mir ist die Besonderheit, dass ich zusätzlich promoviere, also bin ich Doktorandin. Bei mir ist es so geregelt, dass ich zu 50% wissenschaftliche Mitarbeiterin, ausschließlich für Projekte meines Instituts, bin und zu 50% eben Doktorandin. Beide Bereiche überlappen sich.

Was beschäftigt Dich den ganzen Tag?

Ich bin im Ingenieurswesen, genauer gesagt im Bereich der optischen Systeme, studiert habe ich aber Physik. Wir beschäftigen uns mit LiDAR- Systemen. LiDAR steht für „light detection and ranging“, das heißt, wir messen Distanzen mit Hilfe von Lasersignalen. Meine Arbeit beschäftigt sich noch direkter mit dem gerade kommenden autonomen Fahren. Im Allgemeinen beschäftigen wir uns viel mit Elektrotechnik. Meine Arbeitsgruppe ist dann für die optischen Systeme zuständig.

Was fasziniert Dich?

Ich fand in der Schule schon immer Mathe sehr gut, das hat mir sehr viel Spaß gemacht. In der Oberstufe musste man Leistungskurse wählen und dort habe ich mich dann für die ähnlichsten Fächer entschieden, Mathe und Physik, und dabei festgestellt, dass mir Physik von allen naturwissenschaftlich technischen Bereichen sehr viel Spaß bereitet hat, weil dieser Bereich am theoretischsten gehalten ist. Da aber das wahre Leben meist nicht so theoretisch veranlagt ist, bin ich jetzt eher im Bereich des Ingenieurswesens, da ich auch mehr in Richtung Anwendung wollte. Man muss die Theorie nicht so ausreizen, wie ich das in meinen Arbeiten mache, man kann auch zum Beispiel mehr experimentell arbeiten.

Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus?

Ich habe über den Tag verteilt einmal Meetings, wo ich mich mit meinen Kollegen zu einem Thema austausche. Wir beschließen, an was wir in den jeweiligen Projekten in der nächsten Zeit arbeiten wollen. Ich mache für die Projekte zum Beispiel Berechnungen oder und Simulationen. Sehr häufig entwickeln wir generell einfach Konzepte. Nebenbei gehört auch wissenschaftliche Betreuung dazu. Ich helfe dann Abschlussarbeitenden bei der Erledigung ihrer Arbeiten. Auch leite ich Hilfswissenschaftler an. Das sind Studierende, die bereits ihre Arbeiten erledigt haben und dann als Aushilfe bei der Forschung hantieren. Ich verfasse wissenschaftliche Texte, auch „Paper“ genannt. Diese werden dann meist im Internet und bei offiziellen Fachzeitschriften veröffentlicht oder in Fachkonferenzen besprochen. Zu meinem Arbeitsalltag gehört auch die Kontrolle verschiedener Arbeiten meiner Kollegen dazu. Im Endeffekt ist in unserem Bereich weniger das Schreiben der Schwerpunkt, sondern eher die Messungen und die Erstellung solcher Diagramme. Diese erfordern sehr viele Tage Arbeit.

Würdest Du diesen Job bis zur Rente weiterführen?

Ich fühle mich thematisch sehr wohl und kann mir vorstellen in nahverwandte Felder zu wechseln. Ein Vorteil für mich ist, dass ich meine Promotion, Bachelor- und Masterarbeit in drei verschiedenen Themengebieten gemacht habe, was sehr unüblich ist. Im Allgemeinen bin ich sehr zufrieden mit dem, was ich studiert habe, wo ich jetzt auch bin. Den einen Job des Physikers gibt es ja gar nicht auf dem Markt, das heißt ja, es kann schon sein, dass ich später unterschiedliche Berufe ergreife. Diese können dann unterschiedlich ausfallen, zum Beispiel könnte ich tun, was eine Informatikerin, eine Elektronikerin oder sogar eine Professorin tut.

Was rätst Du denen, die sich für Physik interessieren?

Raten würde ich denen, sich unbedingt auszuprobieren und mit Leuten zu sprechen. Man sollte sie fragen, wo sie sich wohlfühlen, was Schwierigkeiten sind oder was besonders schön ist. Man kann in seiner Freizeit Studienmessen besuchen und Kurse belegen. Was ich empfehlen kann, ist die Uni mal zu besuchen und sich Vorlesungen anzuschauen. Ich habe auch Firmen besucht, Führungen und Experimente gemacht, um mir einen Überblick zu verschaffen. Je mehr man sich anschaut, desto sicherer ist man sich am Ende, was man machen will. Ich möchte einfach dazu ermutigen, Sachen auszuprobieren. Wenn Du zum Beispiel dieses Interview bis zum Ende durchgelesen hast, dann hast Du viel über die Arbeit und den Alltag gelernt und indirekt mit einer Forschenden gesprochen. Was lernen wir? Es gibt nicht nur den besagten Beruf einer Physikerin, nein, er ist in verschiedene große und kleine Bereiche und Berufe unterteilt. Wenn also zum Beispiel in der Serie „The Big Bang Theorie“ von einem Physiker die Rede ist, wissen wir jetzt, dass das eine sehr allgemeine Formulierung ist. Ein theoretischer Physiker ist etwas anderes als ein experimenteller Physiker und man sollte das, wie auch Sheldon in der Serie, genau unterscheiden.

Wernigerode der 11.02.2022

 

 

Von Livia June Liebe 

Klasse: 9c

Gerhart-Hauptmann-Gymnasium Wernigerode