Bürgerverein auf Rettungsmission

Weferlinger wollen mit viel Initiative barockes Denkmal erhalten | An der Südseite der evangelischen Kirche St. Lamberti in Weferlingen steht ein beeindruckendes Denkmal, welches vor etwa 250 Jahren entstanden ist. Der Markgraf Friedrich Christian von Kulmbach-Bayreuth hat sich hier ein Mausoleum bauen lassen, weil er in seiner Heimat beerdigt werden wollte. Leider steht sein Sarg jedoch in Franken und die vorgesehene Grabstätte ist sanierungsbedürftig.
Doch die Kirchgemeinde konnte die Kosten für dieses große Vorhaben nicht übernehmen, deshalb machte es sich der Bürgerverein zur Aufgabe, das Gebäude zu sanieren.

Auch mit dieser Postkarte sammelt der Bürgerverein Spenden. Zu sehen sind der Markgraf Friedrich Christian (rechts) und sein ältester Bruder Georg Friedrich Karl vor dem Mausoleum, dargestellt von Lutz Otto Westphal und Gerald Wolters | Foto: Elina Duberow

Angefangen hatte es mit dem 300. Geburtstag des Markgrafen, der mit einem riesigen Fest im Jahr 2008 gefeiert wurde. Seitdem ist Friedrich Christian von Kulmbach-Bayreuth allein oder mit der markgräflichen Familie immer öfter bei Festlichkeiten in der Region anzutreffen. Die Mitglieder des Bürgervereins stellen die Markgrafenverwandtschaft dar und wollen damit auf diese historischen Persönlichkeiten aufmerksam machen. 1706 zog die Familie von Franken in das alte Schloss nach Weferlingen. Friedrich Christian wurde 1708 kurz nach dem Tod seines Vaters geboren. Er hat später als Markgraf nach seinem ältesten Bruder und seinem Neffen von 1763 bis zu seinem Tode 1769 in Kulmbach-Bayreuth regiert. Schon 10 Jahre zuvor hatte er eine karitative Stiftung für Weferlingen und Döhren gegründet, die auch heute noch besteht.

Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt bestätigte dem Mausoleum eine besondere Bedeutung. „Als barocke Grabkapelle gehört das Mausoleum in Weferlingen zu den sehr wenigen erhaltenen Bauten dieses Typs aus dieser Epoche in Sachsen-Anhalt. In Aufwand, Größe und künstlerischer Qualität ist sie im landesweiten Maßstab als nahezu einzigartig zu bewerten. Ihr kommt insofern eine besondere kulturell-künstlerische und städtebauliche Bedeutung im Sinne des Denkmalschutzgesetzes zu“, beschreibt es Tobias Breer, Gebietsreferent im Landesamt.

Der Bürgerverein sammelt Spenden und spart Erlöse von Veranstaltungen an, um die benötigten Mittel für eine Sanierung zusammen zu bekommen. Der Ortschaftsrat gestattete dem Verein dafür die einzelnen Stufen des Aussichtsturms Grauer Hermann zu „verkaufen“. Auch von der Europäischen Union werden Spenden zur Erhaltung des Mausoleums erhofft. Heiko Kloß, der Vorsitzende des Bürgervereins, begründet die nötige Sanierung so: „Die Landesdenkmalschutzbehörde hat den barocken Friedhofsbau für unbedingt erhaltenswert eingestuft. Das Mausoleum gehört zum Ortsbild von Weferlingen. Es ist ein Stück Geschichte und erinnert an Persönlichkeiten, die hier im 18. Jahrhundert gelebt haben.“
Bernd Hoffmann vertritt den Verein in der Aktionsgruppe Flechtinger Höhenzug und hat alle notwendigen Unterlagen für den Fördermittelantrag zusammengetragen. Vielleicht kann schon bald eine weitere bauliche Etappe begonnen werden.
Der Markgraf selbst wird bald wieder aktiv. Am 20. Mai feiert der Bürgerverein mit Schulen und anderen Vereinen im Ort das Schul- und Markgrafenfest am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Weferlingen. Lutz Otto Westphal, ehemaliger Geschichtslehrer und stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums, schlüpft seit 2008 immer wieder in die Rolle des Markgrafen. Der Bürgerverein hat sich vorgenommen, bis zum 250. Todestag Friedrich Christians eine Grundsanierung der Begräbniskapelle zu erreichen. Die Kosten belaufen sich auf etwa 250.000 Euro.

Von Elina Duberow, Klasse 8a, Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Weferlingen