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Seit August 2016 gehe ich in den Kinderchor des Gerhart Hauptmann Gymnasiums in Wernigerode. Mittlerweile bin ich 14 Jahre alt und in der neunten Klasse. Singen ist, seitdem ich laufen kann, meine große Leidenschaft. Durch meine Großeltern verliebte ich mich in den Schlager, singe heute aber auch Rock, Pop sowie klassische Stücke. Das Singen allein reichte mir irgendwann nicht mehr aus. Ich wollte unbedingt auch ein Instrument spielen. An der Kreismusikschule Harz lerne ich nun im neunten Jahr das Klavierspiel und habe mir selbst ein paar Grundlagen im Gitarre- und Ukulelenspiel angeeignet. Auch Rhythmusinstrumente jeglicher Art sind vor mir nicht sicher.

Unsere Schule bietet uns Schülern/ Schülerinnen viele Möglichkeiten, sich musikalisch zu entfalten und seinen Neigungen nachzugehen. Genau aus diesem Grund habe ich mich damals auch für diese Schule entschieden. Schon beim Tag der offenen Tür bekam ich viele Eindrücke in die Welt der Musik. Begeistert hat mich damals der Chorauftritt in der Aula des Westerntorgebäudes. Nachdem ich nun selbst vier Jahre im Kinderchor gesungen habe, musste ich mich im „Corona-Sommer“ 2020 entscheiden, wie es gesanglich für mich weitergeht. Eine Möglichkeit war, in den gemischten Chor zu wechseln. Ich entschied mich aber für den Mädchenkammerchor, da mich die klaren, mehrstimmigen Gesänge in der Advents- und Weihnachtszeit immer so sehr faszinierten.

Als Sänger/ Sängerin kann man bei der Auswahl des Liedrepertoires, mitbestimmen, indem man beispielsweise Vorschläge an unsere Chorleiterin weitergibt. Für jemanden, der Musik und das gemeinschaftliche Singen liebt, ist der Chor etwas ganz Besonderes. Er ist nach einem stressigen oder vielleicht anders als gedacht verlaufenen Schulmorgen ein perfekter Ausgleich. Mir gelingt es während unserer Chorproben, komplett abzuschalten. Danach erleben mich meine Eltern meist fröhlich vor mich hin summend. Normalerweise…

Doch seit dem 13.03.2020 sind unsere Chorproben alles andere als normal. Das Coronavirus schränkt unser Chorleben seither sehr ein. Die Kirchen waren im Sommer sowie zur Weihnachtszeit leer, und wir konnten unsere eingeübten Lieder und Weisen nicht zu etwas ganz Besonderem erblühen lassen. Auf diese Auftritte freue ich mich übrigens das ganze Jahr. Keine gemeinsamen Chorproben mehr, wie noch im Januar und Februar 2020 im Musikraum oder der Aula, keine Chorlager, kein einziger Auftritt! Die einzige Ausnahme war der Sommer, der es uns ermöglichte, draußen an der frischen Luft mit einem Abstand von drei Metern zueinander zu singen. So konnten wir interessierten Zuhörern eine kleine Gesangsprobe im Wernigeröder Lustgarten geben.

Ansonsten sitzen wir seit Schuljahresbeginn jeden Mittwoch in einem Online – Meeting auf der Plattform Zoom. Jeder für sich allein! Laut Duden bedeutet Chor „eine Gruppe gemeinsam singender Personen“. Das hört sich vielleicht gar nicht so schlimm an, aber man verliert leider schneller die Konzentration, Lust und Motivation, denn man singt ja quasi mit seinem Bildschirm. Unsere Musiklehrer geben sich sehr viel Mühe, diese Proben für uns so angenehm wie möglich zu gestalten, investieren sehr viel Zeit in Aufnahmen, die sie uns zukommen lassen, damit wir die Lieder besser und selbstständiger üben können. In der Adventszeit 2020 konnten wir auch mit Hilfe moderner Technik ein kleines Weihnachtskonzert auf Youtube gestalten. Jeder hat seine Melodie allein aufgenommen, und doch war es am Ende etwas Gemeinschaftliches! „Richtige“ Chorproben können so natürlich nicht ersetzt werden. Aber, was soll es, wir halten durch, denn eines eint uns Chorsänger/ Chorsängerinnen ja alle: Die Freude am gemeinsamen Musizieren!

Ich, beziehungsweise alle Sänger/ Sängerinnen hoffen sehr auf eine Zeit, in der es uns wieder möglich ist, in der Gemeinschaft zu singen, ins Chorlager zu fahren und Konzerte zu veranstalten. Ohne Abstand, ohne Masken und ohne Kontaktbeschränkungen. Doch bis wir diesen Punkt erreicht haben, wird es wohl leider noch etwas dauern. Aber bis dahin, geben wir die Hoffnung nicht auf und proben fleißig weiter um dann, wenn es wieder möglich ist, Vollgas zu geben.

Von Emily Kostka
Klasse: 9b
Gerhart-Hauptmann-Gymnasium Wernigerode