Der Alltag unserer Rettungskräfte

Klinikum Magdeburg • Unser tägliches Leben wird durch unvorhersehbare Situationen und Unfälle bestimmt. Hier benötigen wir die Unterstützung der unzähligen Helfer, Rettungssanitäter und Ärzte. Diese Menschen sind Spezialisten und durchliefen eine spezielle Schule. Für einen gezielten Einsatz dieser Arbeitsgruppe, ist es notwendig, dass sich die Bürger nur bei einem „echten“ Notfall an die 112 wenden und den Notruf aktivieren. Eine korrekte Einsatzplanung, verbunden mit erster Hilfeleistung, ist nur gewährt, wenn die Notfallnummer auch nur in Notfällen gewählt wird. Das Berufsleben von Rettungssanitätern und Ärzten ist nicht planbar und nicht vorhersehbar. Durch das Projekt SchmaZ – Schüler machen Zeitung – war es gelungen, uns mit verschiedenen Personen, aus verschiedenen Bereichen des Krankenhauses, zu verständigen und Fragen zu stellen. Wir interviewten die Rettungssanitäter Anna Runge, Rene Dürre, Marco Niemann und Torsten Böhm sowie den Chefarzt der Notaufnahme Alexander Jahn.

Klinikum Magdeburg | Foto: SchmaZ-Reporter

SchmaZ-Reporter: Welche Schulfächer sind wichtig?
Rettungssanitäter: Es gibt keine wirklich relevanten Fächer, die man sehr gut können muss. Es ist gut, wenn man Interesse an Medizin und ein bisschen Kenntnis in Biologie, Chemie und Physik hat. Für den Abschluss eines Rettungssanitäters benötigt man einen Realschulabschluss und um als Arzt arbeiten zu können, muss ein Studium absolviert werden.

SchmaZ-Reporter: Wie verläuft der Alltag der Rettungskräfte?
Rettungssanitäter: Die Rettungskräfte arbeiten in einem Schichtsystem. In jeder Schicht sind ca. 10 Rettungskräfte. Die Rettungskräfte müssen auch 24h-Tage absolvieren, das heißt, sie sind 24h durchweg auf Arbeit. Der Alltag variiert je nach der Anzahl der Einsätze. Wenn es ruhig ist, sind ungefähr 4-5 Einsätze auf 24h verteilt und an eher stressigen Tagen sind es auch mal bis zu 16 Einsätze auf 24h. Pro Einsatz muss man circa 70 Minuten einplanen (es handelt sich um durchschnittliche Werte). Ein Problem sind die „unechten“ Einsätze. Darunter versteht man Einsätze, bei denen nur zum Spaß angerufen wird oder niemand am Einsatzort anzutreffen ist (hier ein kleiner Einblick auf die Anrufe: echte Anrufe 20%, unechte Anrufe 15%, Fehlmeldungen 30%, reiner Krankentransport 15%).

SchmaZ-Reporter: Welche Krankheitssymptome von Patienten treten am häufigsten in der Notaufnahme auf?
Anna Runge/Alexander Jahn: Am häufigsten sind die Patienten mit COPD. Das ist eine chronische Bronchitis, die durch Rauchen verursacht wird. Bei der Mehrzahl der Patienten handelt es sich um Erwachsene mit z.B. Alkohol- und Drogenproblemen, aber auch um Menschen, die unter Suizid leiden. Bei Kindern handelt es sich oftmals um Knochenbrüche. Die Ärzte sind an die ärztliche Schweigepflicht gebunden, es dürfen keine persönlichen Daten der Patienten an Dritte weitergegeben werden.

SchmaZ-Reporter: Wie kommen die Einsatzkräfte am besten zum Einsatzort?
Rettungssanitäter: Im Klinikum Olvenstedt sind zwei Rettungswagen und der Hubschrauber „Christoph 36“ stationiert. Notrufe werden in der Leitstelle entgegengenommen und auf einen Pieper an die Rettungskräfte weitergeleitet. Je nach Notfall erfolgt der Einsatz der Rettungswagen mit den zuständigen Rettungssanitätern. Handelt es sich z.B. um einen Unfall mit Lebensgefahr, wird gleichzeitig ein Notarzt losgeschickt. Werden die Rettungskräfte vom Verkehr aufgehalten, kommt der Christoph 36 zum Einsatz, da er mit seiner Geschwindigkeit von 250 bis 280 km/h wesentlich schneller am Unfallort ist. Dieser bringt dann die Notärzte schneller zum Einsatzort. Pro Tag ist der Hubschrauber im Durchschnitt drei bis vier Mal unterwegs. Der Helikopter-Alltag beginnt mit dem Sonnenaufgang und endet mit dem Sonnenuntergang.

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Rettungshubschrauber Christoph 36 | Foto: SchmaZ-Reporter

SchmaZ-Reporter: Wie ist die Notaufnahme aufgebaut?

Alexander Jahn: Unsere Notaufnahme besitzt eine Anmeldung, bei der sich jeder Patient registrieren lassen muss. Die Patienten kommen aufgrund ihrer Symptome zu den jeweiligen Fachärzten und werden hier ärztlich versorgt. Sollte es sich bei den Patienten um schwere Erkrankungen (z.B. Herzinfarkt, akute Knochenbrüche) handeln, erfolgt sofort die stationäre Aufnahme. Viele Beschwerden werden sofort in der Notaufnahme behandelt und die Patienten können diese dann wieder verlassen.

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| Foto: SchmaZ-Reporter

SchmaZ-Reporter: Wie viel Notfälle gibt es pro Jahr und wie ist die Entwicklung?
Rettungssanitäter/Alexander Jahn: Es gibt sieben bis zehn Notfälle pro Tag und die Anzahl der Notfälle steigt dramatisch jedes Jahr um 6% an. Im Jahr 2006 wurden ca. 24.000 Einsätze und im Jahr 2016 bereits ca. 48.000 Einsätze registriert. Bei den Notfällen handelt es sich auch oft um Infekte, Schwindel, Husten, Schnupfen oder Zeckenbisse. Dadurch, dass sich die Notaufnahme und auch die Rettungskräfte mit diesen kleinen Notfällen beschäftigen müssen, bleibt oft keine Zeit für die richtigen Notfälle. Das ist ein Problem, welches nach Möglichkeit zurückgehen muss. Sie können helfen, indem die Bürger nicht wegen Kleinigkeiten gleich zur Notaufnahme gehen.

Ein Wunsch der Rettungssanitätern und Rettungsärzten vor Ort: Notruf nur im Notfall wählen!
Notaufnahme nur im Notfall aufsuchen!
Besteht KEIN Notfall, bitte den Hausarzt bzw. das Medico-Center aufsuchen, auch dort wird geholfen!

Von Michelle Först & Alea Bender, Klasse 8/1, Albert-Einstein-Gymnasium Magdeburg