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Mein Arbeitsplatz zu Hause. Foto: Mai Anh Lai

10:45. Biep. Biep. Meine Hand läuft rüber zur Schlummerfunktion. Entspannt sinke ich zurück in mein Kissen und starre die Decke an. 5 Minuten lang. Und dann setzt plötzlich die Erkenntnis ein. „Verdammt nochmal!“, fluche ich, als ich hektisch, die Treppe runter ins Bad stolpere. Schnell Zähneputzen und ab vor den Laptop für den Onlineunterricht. Panisch tippe ich irgendwelche Zahlen in das kleine Kästchen und endlich nach 10 Nervenzusammenbrüchen und gleichvielen Internetabstürzen habe ich es geschafft. Erleichtert lehne ich mich zurück in meinen Stuhl, fast so als hätte ich einen 40-km langen Marathon hinter mir.

Das, lieber Leser, ist der normale Morgen eines Teenagers im Homeschooling. Seit März 2020 läuft das Homeschooling schon, ein großes Streitthema ist es dennoch. Da sitzt man an einem Dienstagnachmittag am Schreibtisch und starrt Löcher in die Luft, obwohl man doch Schulaufgaben machen muss. „Wo bleibt die Motivation?“, fragt man sich da. Genau dasselbe fragen sich die meisten Jugendlichen und tatsächlich, eine Befragung zur JIM-Studie stellt heraus, dass 59% der Befragten fehlende Motivation als Haupthindernis beim Homeschooling ansehen. Doch auch eine schlechte Internetverbindung oder wenig Ruhe zum Lernen sind Probleme beim Online-Unterricht.
„Du bist nur am Handy, da kannst du dich gar nicht konzentrieren“, höre ich meine Mutter sagen. Ja, aus der Sicht der Eltern ist das wieder ganz anders. Diese sehen nur, wie man vor dem Bildschirm sitzt und schlussfolgern voreilig daraus, dass man im Internet surft oder andere „sinnlose“ Dinge tut. Oft führen die verschiedenen Sichtweisen zum Streit, welcher aber meist mit dem Lieblingsessen und einer Versöhnung endet. Eine Studie der DAK zeigt, dass 85% – 90% der Eltern über die Auswirkungen der Krise besorgt sind, in jeder vierten Familie gibt es Streit. Die Auswirkungen der Krise sind unerfreulich, auch Prof. Michael Klundt vertritt diese Meinung. Er schreibt in dem Volksstimme Artikel „Lockdown gefährdet Kindeswohl“ (vom 2.2.21, S. 2) darüber, wie die Maßnahmen die getroffen werden das Wohlbefinden der Kinder verletzt. Er fordert außerdem ein Mitspracherecht von Kindern und Jugendlichen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das Lernen Zuhause oft sehr ablenkend sein kann, da man Zuhause alles auf dem Tisch liegen hat, was in der Schule eben nicht vorliegt, sei es das Handy, der Fernseher oder der Hund, der spielen will.
„Also…Geige, Notenständer und Handy“, gehe ich nochmal die notwendigen Sachen für den Musikunterricht, per Skype, durch. „Na dann“, sage ich und drücke auf den Anrufknopf. Nicht nur die Schulen, sondern auch die Musik- / und Tanzschulen greifen in dieser Zeit auf den Online-Unterricht zurück. Häufig benutzte Plattformen sind hier WhatsApp oder Skype, manchmal wird auch nur ein Video zum Üben geschickt. Darüber berichtet auch ein Volkstimme Artikel (30.1.2021, S.16„Die Jugend musiziert via Video“). Der Autor erklärt dabei, wie die Kommunikation von Schüler und Lehrer über Videoanruf funktioniert und auch, welche Probleme, angesichts des Musik-Wettbewerbs, der Digitalunterricht mit sich bringt.
Aber wie ist das mit Schülern, welche die technisch notwendigen Mittel nicht besitzen? Oder wegen anderer Probleme nicht am Onlineunterricht teilnehmen können? Wie holen diese den versäumten Unterrichtsstoff nach? Wäre Nachhilfe eine Lösung? Der Artikel „Nachhilfe in der Pandemie“ aus der Volksstimme vom 28.1.2021 (S.15) informiert darüber. Er berichtet über die Umgangsweise mit dem Nachhilfeunterricht in dieser Situation, wie viele Eltern den Unterricht wirklich in Betracht ziehen (durch die Anmeldungszahlen vor und nach der Pandemie) und wie die Schüler das ganze empfinden.
Das ist jedoch nur eines der vielen Probleme beim Homeschooling. Da fehlende Motivation ein großes Hindernis beim Distanz-Lernen ist, sollte man sich definitiv selbst motivieren, aber wie? Wenn man doch jeden Tag das gleiche macht und keine Abwechslung vorhanden ist, kann man sich dann noch ohne die Hilfe anderer motivieren? Jeder hat eine andere Meinung dazu. Jedoch steht eins fest, es muss sich etwas ändern.

 

Von Mai Anh Lai
Klasse: 8a
Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium Salzwedel

 

Quellen: Volksstimme vom 28.1.2021, 30.1.2021, 02.02.2021