Der Weg des Abwassers

Im Auftrag der AGM (Abwassergesellschaft Magdeburg) realisieren die SWM (Städtischen Werke Magdeburg) die technische und kaufmännische Betriebsführung der Abwasserentsorgung Magdeburg. Niklas-Alexander Schmidt aus der Klasse 8/4 Albert-Einstein-Gymnasium war vor Ort und kennt die Abläufe des Klärwerks. 

Das Magdeburger Abwasser wird im Klärwerk Gerwisch entsorgt. Magdeburg hat viele Hebestellen (das heißt viele kleine Pumpwerke), welche den Höhenausgleich zum Abwassernetz bzw. Hauptsammler bilden. Bei trockenem Wetter versorgt Magdeburg Gerwisch über eine Leitung mit ca. 35.000– 40.000 m³ in 24 Stunden. Bei Regen werden zwei Leitungen über ca. 7 km nach Gerwisch gebraucht, da fast das Doppelte an Wasser anfällt.

Klärwerk Magdeburg/Gerwisch – Foto: Niklas Schmidt

Im Klärwerk Magdeburg/Gerwisch wird das Abwasser behandelt, indem mechanisch absetzbare und aufschwimmende Schmutzstoffe abgetrennt und gelöste Abwasserbestandteile biologisch abgebaut werden. Das Klärwerk Magdeburg/Gerwisch wurde 1999 in Betrieb genommen.

Abwasser ist durch Gebrauch verunreinigtes Wasser, aber auch das von befestigten Flächen abfließende und gesammelte Niederschlagswasser. Niederschlagswasser ist Wasser aus atmosphärischen Niederschlag, das noch keine Stoffe von Oberflächen aufgenommen hat (zum Beispiel Schnee, Regen, Hagel). Regenwasser ist abfließendes Niederschlagswasser. Man unterscheidet Schmutz-, Regen-, Fremd-, Misch- und Kühlwasser.

Das Klärwerk Magdeburg/Gerwisch verfügt mit seiner gleichzeitigen Stickstoff- und Phosphor Elimination sowie der Schlammbehandlung über eine moderne abwassertechnische Technologie. Das bei der Schlammbehandlung anfallende Klärgas wird in Blockheizkraftwerken energetisch verwendet. Derzeit sind dort 40 Mitarbeiter beschäftigt.

Das Abwasser kommt aus Magdeburg und den umliegenden Gemeinden.
In der Stunde kann das Klärwerk bis zu 7500 m³ Abwasser reinigen. Der Reinigungsgrad beträgt im Mittel 96 %, gemessen am Summenparameter chemischen Sauerstoffbedarfs. Es entspricht damit Badewasserqualität.
Wichtig: Speisereste, Kaffeesatz, Feuchttücher, Brat- und Frittierfett, Medikamente, Farben, Lacke, Verdünner, Säuren und Laugen dürfen NICHT in den Abfluss. Sie führen zum Verstopfen der Rohrleitungen, locken Ratten an, behindern die Abwassereinigung, vergiften das Abwasser und greifen die Rohre an. Bei Farben etc. besteht Explosionsgefahr in den Abwasserkanälen.

 

Hinweise zum Informationsmaterial SWM:

1. Einlaufbauwerk
Das Wasser, welches nach dem Duschen oder dem Zähneputzen im Abfluss verschwindet, landet im Magdeburger Kanalnetz. Mithilfe von Abwasserpumpwerken wird dann das Abwasser durch Druckleitungen zum Einlaufbauwerk befördert.

2. Rechenanlage
In diesem Bereich wird das Abwasser vom groben Dreck befreit.

3. Sand- und Schwimmstofffang
In diesem Teil der Anlage wird das Abwasser von Sand und Fetten befreit. Die Fette können z.B. vom Abwaschwasser stammen. Sand kann durch Regen in das Kanalnetz geflossen sein.

4. Vorklärbecken
Die geringe Fließgeschwindigkeit des Wassers in diesem Becken führt dazu, dass sich die kleineren restlichen Feststoffe am Boden als Primärschlamm ansammeln. Leichtere Stoffe schwimmen oben. Beides kann nun leicht vom Wasser getrennt werden.

5. Abluftbehandlung
Hier wird die stinkende Luft der Abwässer abgezogen und behandelt.

6. Kaskadenbelebungsanlage
Mikroorganismen übernehmen die weitere Reinigung. Sie können verschieden Stoffe aus dem Wasser abbauen und bilden dabei den Belebtschlamm.

Aufbau des Klärwerks Gerwisch – Foto: Informationsmaterial SWM

7. Nachklärung
Der in der Kaskadenbelebungsanlage erzeugte Belebtschlamm kann als Rücklaufschlamm vom gereinigten Abwasser getrennt werden.

8. Chemische Reinigungsstufe
Durch Beimischung von Chemikalien können letzte verbliebene Stoffe vom Abwasser getrennt werden. Damit ist die letzte Reinigungsstufe beendet und die Säuberung des Abwassers im Klärwerk Gerwisch abgeschlossen. Zu über 90 % ist es nun von den verschiedenen Verunreinigungen befreit.

9. Ablaufsystem und Hochwasserpumpwerk
Das gereinigte Abwasser wird abschließend durch zwei Ablaufleitungen in die Elbe geleitet.

10. Gasverwertung und Schlammbehandlung
Der bei der Reinigung des Abwassers gebildete Schlamm wird in Faulbehältern, die 8600 m³ Schlamm fassen können, ausgefault und stabilisiert. Dort verbleibt der Schlamm für rund 25 Tage. Durch den Faulprozess bilden sich Gase. Diese können in eigenen Blockheizkraftwerken so genutzt werden, dass damit 100 % des Wärmebedarfs und 50 % des Strombedarfs des Klärwerks abgedeckt werden können. In Zentrifugen wird der verbleibende Schlamm geschleudert. Dabei wird er eingedickt und vom Schlammwasser getrennt. Dieser Klärschlamm wird dann als Dünger oder Kompost in der Landwirtschaft genutzt.

11. Betriebsgebäude
Von hier aus kann der gesamte Betrieb im Klärwerk überwacht werden.

 

Von Niklas-Alexander Schmidt
Klasse: 8/4
Albert-Einstein-Gymnasium

 

Niklas-Alexander Schmidt gewann mit seinem Artikel den Sonderpreis der Städtischen Werke Magdeburg.

 

Quelle: Volker Moldenhauer, Mitarbeiter der Städtischen Werke Magdeburg sowie Informationsmaterial der SWM