Der Weg vom Weltmeister zum Trainer

Der mehrfache Medaillengewinner Marcel Hacker ruderte 16 Jahre den Einer für Deutschland. Bereits 1995 gewann er die Junioren-Weltmeisterschaft in dieser Disziplin. Im Jahr 2000 erlangte er im olympischen Finale in Sydney die Bronzemedaille im Einer. Über die Zeit seiner sportlichen Laufbahn und seine Zukunftspläne sprach Lena Sophie Schobert, Schülerin der Klasse 8/1 des Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums Schönebeck, mit dem heute 39-jährigen Sportler.

Lena Sophie: Wann haben Sie mit dem Rudern angefangen und wie sind Sie dazu gekommen?
Herr Hacker: Angefangen habe ich 1991, das war damals bei einem Stadtfest in Magdeburg. Dort wurde ich, als ich an einem Ruderergometer übte, von einem Trainer des SCM beobachtet. Der Trainer fragte mich, ob ich es mir vorstellen könnte, im Ruderverein zu trainieren. Ich war damals ziemlich überrascht. Meine Mutter hat früher auch gerudert und schnell wurde aus zweimal wöchentlichem Training ein fast täglich stattfindendes Trainingsprogramm.

Lena Sophie: Können Sie sich an ihren ersten Sieg erinnern? Wie war das für Sie?
Herr Hacker: Meine ersten Siege, wenn man es Siege nennen kann, hatte ich bei internen Wettkämpfen gegen die Ruderer aus Halle. Mein erster richtiger Sieg war für mich der Landesmeistertitel. Ich finde, man sollte sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhen. Man sollte immer weiter an sich arbeiten, damit man Erfolg hat und auch weiterhin erfolgreich bleiben kann. 

Lena Sophie: Was war ihr größter Sieg?
Herr Hacker: Aus meiner Sicht war mein größter Sieg eigentlich eine Niederlage. Als ich im Jahre 2001 im WM-Halbfinale im Ziel kollabierte und nicht in das Finale kam, war das für mich persönlich eine große Enttäuschung. Ich habe meine Kräfte falsch eingeschätzt und meine Leistungsstärke überschätzt. Aber solch einen Fehler macht man nur einmal im Leben. Man zieht für die Zukunft seine Lehren daraus. Wenn man sich von Niederlagen nicht unterkriegen und einschüchtern  lässt, kann man sich frei machen und noch mehr Leistungen vollbringen. Deshalb können Niederlagen für einen persönlich manchmal auch die besten Siege sein, die man erringen kann. 

Lena Sophie: Was war Ihre schwerste Niederlage?
Herr Hacker: Meine zwei schwersten Niederlagen waren 2004 und 2008, als ich jeweils im Halbfinale der Olympischen Spiele nur den vierten Platz erreichte und mich nicht für das Finale qualifizieren konnte. Ich war natürlich enttäuscht, schließlich möchte man ins Finale kommen. Mit einem 4. Platz ist man leider knapp vorbei. Doch auch aus dieser Niederlage hab ich gelernt. Man strengt sich beim nächsten Wettkampf noch mehr an, obwohl man jedes Mal denkt, dass das nicht geht.

Lena Sophie: Was war für Sie der emotionalste Sieg?
Herr Hacker: Während meiner sportlichen Karriere gab es sehr viele emotionale Momente, wie der WM-Titel mit Weltbestzeit 2002, fünfmal Teilnahme an Olympischen Spielen und eine Olympische Medaille. Aber der  emotionalste und der größte Sieg in meinem Leben sind für mich die Geburt meines Sohnes und auch die Hochzeit mit meiner Frau. Klar gibt es auch im Sport viele wichtige und emotionale Siege, aber diese beiden, sehr emotionalen Momente, sind mir am wichtigsten. Während meiner sportlichen Karriere hatte ich nur selten Zeit, meine Familie zu sehen und mit Ihnen gemeinsam Zeit zu verbringen. Deshalb ist mir meine Familie heute das Wichtigste in meinem Leben.

Lena Sophie: 2002 wurden Sie Weltmeister im Einer in der Weltbestzeit von 6:36,33 min. Diese blieb bis 2006 bestehen. Sie gewannen im Anschluss daran mehr als 40 Rennen in Folge. Mit welchen Gefühlen beobachtet man die Konkurrenz, die ja jederzeit eine neue Weltbestzeit aufstellen könnte?
Herr Hacker: Man beobachtet mit sehr großer Spannung und mit gemischten Gefühlen, dass die Konkurrenz schnell geworden ist. Deshalb sollte man sich auch immer fragen, warum die Konkurrenz so schnell geworden ist. Wichtig ist es auch, das Training der anderen zu beobachten und sich kritisch mit dem eigenen Training und seinen Ergebnissen auseinanderzusetzen. Ein gutes Beispiel dafür ist Neuseeland. Dort werden im Training andere Wege gegangen und diese scheinen erfolgreicher zu sein. Auch wir hier in Deutschland sollten mutiger sein, neue Wege beim Training zu beschreiten.

Lena Sophie: Haben Sie während Ihrer Karriere als Ruderer, die ja sicherlich mit viel körperlicher Anstrengung, wenig Freizeit und auch wenig Zeit für Freunde und Familie verbunden war, einmal daran gedacht aufzuhören?
Herr Hacker: Na klar, ständig. Aber für mich gab es in meiner sportlichen Karriere immer nur ein Ziel: Olympisches Gold. Nur deshalb habe ich so hart trainiert. Seit den letzten Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro,  bei denen ich zusammen mit Stephan Krüger im Zweier angetreten bin, saß ich nicht mehr in einem Ruderboot. Das Kapitel Rudern als Leistungssport ist für mich persönlich abgeschlossen. Ich habe für mich fast alles erreicht, was ich erreichen wollte.

Lena Sophie: Welches war Ihr letzter großer Wettkampf? Welche Erinnerungen haben Sie an den Wettkampf?
Herr Hacker: Meinen letzten Wettkampf bestritt ich 2016 bei den Olympischen Spielen in London. Es war eine schöne Saison, ich konnte von meinem jüngeren Kollegen Stephan Krüger noch viel lernen. Wir sind zwar zwei völlig verschiedene Charaktere und haben auch wenige Gemeinsamkeiten, aber wenn es um das Rudern und die Wettkämpfe ging, waren wir uns meist einig.

Lena Sophie: Was machen Sie momentan?
Herr Hacker: Momentan muss ich noch abtrainieren. Außerdem sichte ich in Schulen und Vereinen junge Ruderer und trainiere diese auch, um sie auf dem oftmals schweren Weg im Leistungssport zu begleiten. Die Nachwuchsförderung ist aus meiner Sicht sehr wichtig.

Lena Sophie: Welche Zukunftspläne haben Sie beruflich?
Herr Hacker: Aus persönlichen Gründen werde ich nicht weiter in Magdeburg tätig sein. Ich arbeite zukünftig in meinem Heimatort in unserem Familienunternehmen. In einer Fitness- und Gesundheits-Academy mit Fitnessclub werde ich im Bereich des betrieblichen Gesundheitsmanagement und des Gesundheitssports tätig sein und dort meine Kenntnisse und Erfahrungen, die ich als Leistungssportler erlangen konnte, an Sportinteressierte weitergeben.

Von Lena Sophie Schobert, Klasse 8/1, Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium, Schönebeck