Die Geschichte von Anfang an!

Die Achtklässlerinnen Yana Savchuk und Katharina Nußeck vom Albert-Einstein Gymnasium in Magdeburg erklären, wie sich das Drucken von 1950 bis 2019 entwickelt hat.

Die gestochene Schrift von Frau Huke. Foto: Yana Savchuk und Katharina Nußeck

Live erlebten wir, wie die heutige Zeitung gedruckt und hergestellt wird, doch wie waren die Umstände früher? Im Deutschunterricht haben wir uns in den letzten Wochen viel über das Entstehen von Zeitungen erfahren. Wir machen beim SchmaZ-Projekt mit. So haben wir uns auch angesehen, wie die heutige Zeitung gedruckt wird, da stellten wir uns die Frage, wie das vor 50 oder mehr Jahren war. Um diese Frage zu beantworten, nämlich wie Texte in gedruckter Form vor der Computerära aufs Papier kamen, stellte unsere Deutschlehrerin den Kontakt zu einer kompetenten Zeitzeugin vor, die von 1955-1958 den Beruf Schriftsetzerin gelernt hat, genauer Schriftsetzerin im Handdruck. Wir führten mit Frau Silvia Huke ein schriftliches Interview durch und sie beantwortete uns gerne unsere Fragen.

Bei ihrer Ausbildung musste sie am Fachunterricht und Allgemeinunterricht (z.B. Mathematik, Schönschrift, Deutsch), aber auch am Praxisunterricht teilnehmen. Auf die Frage, ob das ihr Traumberuf war, antwortete sie: „ Lehrstellen waren sehr knapp und ich interessierte mich für die deutsche Sprache und ein Bekannter vermittelte mir die Stelle.“
Allerdings bestand ihr Beruf nicht darin Zeitungen zu drucken, sondern sie war für den Druck von unter anderem Büchern und Speiseplänen zuständig. Sie war von Anfang an von dem Beruf begeistert, wie sie uns in unserem Interview verriet: „An meinem ersten praktischen Lehrtag musste ich schon einen Setzkasten bestücken. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich erstaunt war, nachmittags die Klingel zum Arbeitsende zu hören. Ich war begeistert!“ Ihre Aufgabe bestand darin, Lettern, welche aus Bleilegierungen bestanden, in Setzkästen einzuordnen und zwar Buchstabe für Buchstabe. Leerzeilen wurden durch Stege und Regletten hergestellt. Am Ende wurde der gesamte Kasteninhalt mit Fäden befestigt und insgesamt herausgehoben und zum Druck abgelegt. Frau Huke arbeitete nach ihrer Ausbildung in dem Volksstimme-Druckhaus. Außerdem stellten wir die Frage, ob man im Beruf Schriftsetzer in Schichten arbeiteten musste. Und sie antwortete darauf: “Keine Schichten im Handsatz, aber im Maschinensatz für Zeitungen.“

Der Zeitungsdruck erfolgte ähnlich, wie der Druck von Fahrplänen, Büchern usw. Die erste Wochenzeitung der Welt wurde 1605 von Johann Carlos in Straßburg in Elsass herausgebracht. Bis die erste Tageszeitung veröffentlicht wurde, dauerte es noch 45 Jahre, als Timotheus Ritzsch im Juli 1650 die erste Tageszeitung herausgebracht hat.
Heutzutage wird fast alles von Maschinen ersetzt und somit auch der Druck der Zeitungen. Nach der Planung beginnt rund um 21 Uhr der Druck der Zeitungen. Um eine Zeitungsseite zu drucken, braucht man 4 unterschiedliche Druckplatten: eine gelbe, eine rote, eine schwarze und eine blaue Platte. Die Platte besteht aus Aluminium und ist 0,1 mm dick. Jede Platte wird mit einem Laser belichtet und danach weiter transportiert. Nach dem Druck kann diese weiter verwendet werden. Um 22 Uhr beginnt der eigentliche Druck mit den riesigen aus recycelten Papier bestehenden Papierrollen, auf welche je 20.000 Zeitungen passen. Diese werden voll automatisch ausgetauscht und transportiert. In dieser Druckmaschine werden die Papierrollen bedruckt, geschnitten, gefaltet und gewalzt bis die Zeitung fertig ist. Bis dann jedoch die Zeitung bei uns im Briefkasten liegt, hat diese noch einen langen Weg.

Den speziellen Beruf Schriftsetzer gibt es heute zwar nicht mehr, allerdings ist das Grundprinzip, nämlich die Wichtigkeit der deutschen Sprache, gleich geblieben. Jedoch hat dieser Beruf Späße und Traditionen hinterlassen. „Hochzeit“ bedeutet ein Wort wurde doppelt gesetzt und „Leiche“ wenn ein Wort vergessen wurde. Auch galt für Schriftsetzer in Frau Hukes Lehrwerkstatt in der Nachtweide ein ungeschriebenes Gesetz. Wenn jemand einen Setzkasten fallen ließ und der gesamte Inhalt scheppernd zu Boden fiel, mussten alle Mitarbeiter helfen, alles wieder einzuräumen.
Frau Huke zeigte uns sogar noch ihre Ausbildungshefte und wir staunten nicht schlecht über die gestochene Schrift ihrer Eintragungen.

Von Yana Savchuk und Katharina Nußeck
Klasse: 8/2
Albert-Einstein Gymnasium Magdeburg

Quellen:

  • Interview mit Frau Huke
  • DVD Jede Ausgabe eine Herausforderung
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitung