Die Integration von Flüchtlingen in Borne

Foto: Jannes Frenzel

| Foto: Jannes Frenzel

Seit dem vergangenen Jahr kommen viele Flüchtlinge aus dem Osten von Europa nach Deutschland. Wie sieht die Willkommenskultur in Borne aus? Der Mann, der am besten darüber Aussagen treffen kann, ist der Bürgermeister von Borne, Sven Rosomkiewicz. Mit ihm sprach ein Schüler des Dr. Frank-Gymnasiums Staßfurt, Jannes Frenzel, Klasse 8/2.

Jannes: Wie und wodurch sind die Flüchtlinge nach Borne gekommen?
S. Rosomkiewicz: Seit September 2015 wohnen in Borne 14 Flüchtlinge, die aus der durch den Krieg zerstörten Stadt Aleppo in Syrien geflohen sind. Das sind vier Familien mit Kindern im Kindergarten- und Schulalter, die ihre Heimat verlassen mussten. Krieg, Not und Angst vertrieben sie aus ihrem Heimatland. Sie flüchteten mit einem Boot über das Mittelmeer. Das Elend endete dann für sie in Deutschland in der zentralen Anlaufstelle in Halberstadt. Von dort kamen diese Flüchtlinge in den Salzlandkreis nach Borne und bekamen Wohnraum in einem Wohnblock der Wohnungsbaugenossenschaft Staßfurt.

Jannes: Was wünschen Sie sich für die Integration der Flüchtlinge in Borne?
S. Rosomkiewicz: Die meisten Einwohner haben die Flüchtlinge positiv begrüßt und haben versucht, dass sie sich in ihrer neuen Umgebung wohl fühlen. Unterstützung bekommen sie von einer Soziallotsin, die ihnen behilflich ist, zum Beispiel beim Ausfüllen von Anträgen im Asylverfahren oder beim Besorgen von Bekleidung aus der Kleiderkammer in Staßfurt. Die Kinder der Flüchtlinge sind nun auch in Schulen und in der Kindertagestätte „Kunterbunt“ in Borne, Staßfurt oder Wolmirsleben integriert. Sie haben auch sprachlich ihre ersten Hürden überwunden. Die Erwachsenen verhalten sich in der Verständigung distanzierter. Es wäre schön, wenn sie es ihren Kindern gleichtun würden. Noch warten die Flüchtlinge auf einen Sprachkurs. Ein Dolmetscher aus Staßfurt unterstützt sie bei wichtigen Entscheidungen. Es ist auch vorgesehen, dass eine Flüchtlingsmutti ehrenamtlich in der Kindereinrichtung mitarbeitet.

Jannes: Welche Aktionen wurden bereits für die Integration der  Flüchtlinge organisiert bzw. sind noch geplant? 
S. Rosomkiewicz: Viele Einwohner von Borne, unsere Vereine und Sportgruppen helfen und unterstützen. Am Anfang half der Aufruf zur Kleiderspende vom Bürgermeister allen neu angekommenen Flüchtlingen. Inzwischen werden die Flüchtlingskinder auch von ihren Nachbarn unterstützt und werden zum Beispiel zu Sportveranstaltungen mitgenommen. Die Jugendlichen nutzen den Fitnessraum vom Handballverein. In der Kindertagesstätte „Kunterbunt“ singen, basteln und spielen Flüchtlingskinder mit den Einheimischen und es klappt prima. Wünschenswert wäre es, wenn die Erwachsenen es den Kindern nachmachen. Die Bürgermeister der Verbandsgemeinde setzen sich am „Runden Tisch“ auch immer wieder zu aktuellen Fragen der Flüchtlingskrise auseinander und suchen stets nach weiteren Möglichkeiten der Unterstützung.

Jannes: Welche Ideen haben Sie für die Zukunft der Flüchtlinge?
S. Rosomkiewicz: Neue Ideen für die Unterstützung der Flüchtlinge werden immer wieder, im Alltag des Lebens, entstehen. Noch befinden sich alle Flüchtlinge im Asylverfahren. Es ist noch nicht entschieden, wohin der Weg weiter geht. Eine Flüchtlingsfamilie möchte gern in Borne wohnen bleiben. Andere suchen nach ihren Verwandten oder möchten zu ihnen ziehen. Alle haben ihre Pläne, zu denen das Bleiberecht und eine Arbeit zählen. Nach der Entscheidungen des Asylverfahrens (das kann bis zu einem Jahr dauern) werden alle Flüchtlinge auch weiterhin die Unterstützung der Deutschen benötigen.

Jannes: Sie sind einerseits Bürgermeister, aber andererseits auch CDU- Politiker. Die Landes-CDU tagte am 13.Februar in Magdeburg. Die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, ging dort auch ausführlich auf die Flüchtlingskrise ein. In der „Volksstimme“ vom 15.02.2016 war zu lesen: „Wir wollen und müssen es schaffen, die Zahl der Flüchtlinge deutlich zu reduzieren. Stehe nach einem rechtstaatlichen Verfahren fest, dass jemand kein Bleiberecht habe, müsse er Deutschland verlassen. Wer aber vor Terror, Krieg und Verfolgung flüchte, dem wollen wir Schutz geben. Wer im Land integriert werde, der muss unsere Rechtsordnung und unsere Art zu leben, akzeptieren.“ Wie denken sie darüber?
S. Rosomkiewicz: Grundsätzlich stimme ich dieser Aussage zu, wenn es um Flüchtlinge geht, die durch Krieg, Verfolgung und Terror ihr Land verlassen müssen. Es ist nicht leicht, diese vielen Menschen zu integrieren, wenn nicht ein vereintes Europa eine Verbundenheit in solchen Krisensituationen zum Ausdruck bringt. Hoffen wir auf Einigung und Verständnis beim EU-Gipfel. Noch ist eine europäische Lösung nicht in Sicht.

Von Jannes Frenzel, Klasse 8/2, Dr. Frank Gymnasium Staßfurt