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Aktuell machen Landwirte auf ihre Existenzängste durch mehrere Demonstrationen aufmerksam. Im Gespräch mit dem regionalen Landwirt Mark Lüddicke erfahren die Schülerinnen des Hegel-Gymnasiums Mia Mühler und Luna Uhlemann mehr über die Sonnen- und Schattenseiten der Landwirtschaft.

 

Ein Landwirt bei der Arbeit. Foto: Lennard Uhlemann

Sie sind als Landwirt tätig. Wieso genau haben Sie sich für den Beruf entschieden?

Mark Lüddicke: Die Landwirtschaft hat in unserer Familie eine lange Tradition. Bereits in den 30er Jahren haben meine Großeltern hier von Viehzucht und Ackerbau gelebt. So war für mich sehr früh klar, dass ich den Hof übernehmen und die Tradition fortführen möchte. Außerdem arbeite ich gern in der Natur und die vielfältige Landtechnik hat mich schon immer fasziniert.

Was macht ihren Beruf für Sie so besonders?

Mark Lüddicke: Seine Vielfältigkeit macht ihn für mich einzigartig. Es vereinen sich Aufgabengebiete aus verschiedenen Berufen, wie zum Beispiel Schlosser, Viehzucht und -haltung, Forstwirtschaft, Ackerbau und Betriebswirtschaft in der Tätigkeit des Landwirtes.

Hat man als Landwirt ein sicheres Einkommen?

Mark Lüddicke: Nein, auf gar keinen Fall. Es wird von sehr vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Die Höhe des Einkommens hängt vor allem von den Umwelteinflüssen ab, beispielsweise von Dürre, Sturm, Hagel und Überflutung. Hinzu kommt, dass diese durch den anhaltenden Klimawandel von Jahr zu Jahr immer extremer werden. Aber auch Fehlplanungen oder Schädlingsbefall können zu Einkommensverlusten führen. Ebenfalls eine große Rolle spielt die aktuelle Marktlage in Bezug auf die Absatzpreise.

 

Das Thema Insektensterben geht schon einige Jahre durch die Medien. Wie sehen Sie das?

Mark Lüddicke: Das Insektensterben ist definitiv ein Thema, welches eine große Aufmerksamkeit verlangt. Von der staatlichen Seite wird verordnet, dass die Insekten mehr geschützt werden. Zum Beispiel durch einen verstärkt kontrollierten  Einsatz von Insektiziden und das Anlegen von Ackerrand- und Blühstreifen, welche zusätzliche Lebensräume für Insekten bieten. Genauso wird es auch in meinem Betrieb praktiziert. Jedoch kann man nicht verallgemeinern, die Landwirtschaft sei der alleinige Verursacher des Insektensterbens. Weitere nennenswerte Einflussfaktoren sind außerdem der hohe CO²-Ausstoß der Industrien oder das unglaubliche Maß an unaufhaltsamer Versiegelung der Landschaft durch Bebauung jeglicher Art. So ist beispielsweise rund 1 Hektar einer von mir bewirtschafteten Ackerfläche für den Bau einer Werkstraße verloren gegangen, welche 2019 fertiggestellt und bisher nicht genutzt wurde.

In den Medien wird immer wieder über die Demonstrationen der Landwirte berichtet. Was ist das Ziel der Demos?

Mark Lüddicke: Die Landwirte möchten auf ein existenzbedrohendes Missverhältnis hinweisen. Auf der einen Seite sind das die immer strengeren Auflagen der Politik, die oftmals große Verluste für die Ernteerträge bedeuten. Auf der anderen Seite fehlen den Bauern die Möglichkeiten so zu wirtschaften, dass sie von ihrer Arbeit existieren können. Doch letztendlich wollen auch wir Landwirte die Natur schützen und erhalten, damit unsere Kinder und Enkel auch in Zukunft unsere Arbeit im Einklang mit der Natur fortsetzen können.

 

Von Mia Mühler und Luna Uhlemann
Klasse: 8/2
Hegel-Gymnasium Magdeburg