Ein brandheißer Job

„Die Feuerwehr ist für mich eine große Familie.“ In einem Interview beantwortete mir der Ortswehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Zerbst/Anhalt Steffen Schneider einige Fragen über die Feuerwehr, aber auch über sich selbst.

Lena Becker: Wie lange sind Sie schon bei der Freiwilligen Feuerwehr Zerbst/Anhalt? Wie sind Sie dazu gekommen?
Herr Schneider: Ich bin seit dem 26.03.1993 bei der FFW Zerbst. Während meiner Vorbereitung auf das Abitur habe ich mich, im Hinblick auf meinen weiteren beruflichen Werdegang, für den Wehrersatzdienst auf 8 Jahre bei einer gemeinnützigen Einrichtung, anstelle Bundeswehr bzw. Zivildienst entschieden. Der Vorteil lag für mich auf der Hand, direkt nach dem Abi mit dem Studium beginnen zu können und keinen Zeitverlust durch den Grundwehrdienst (Wehrpflicht) bei der Bundeswehr oder im Zivildienst zu verlieren. Mit der Ausbildung in der FFW Zerbst/Anhalt lernte ich viele wichtige Dinge kennen, Verhalten im Brandfall, gezielter Umgang mit der Feuerwehrtechnik, im Ernstfall Ruhe bewahren können um anderen zu helfen und am wichtigsten die Kameradschaft innerhalb der Wehr.

Lena Becker: Wie sind Sie Wehrleiter geworden? Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Herr Schneider: Durch die Gemeindegebietsreform wurde der bisherige Wehrleiter der FFW Zerbst/Anhalt, Jürgen Dornblut, zum Stadtwehrleiter über insgesamt 26 Ortsfeuerwehren. dadurch wurde die Funktion des Ortswehrleiters in der Ortswehr Zerbst/Anhalt frei und musste zum 01.01.2010 neu besetzt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich inzwischen in der Funktion als Zugführer in der FFW Zerbst/Anhalt tätig und für die komplette Ausbildung sowie die Organisation der Ortswehr verantwortlich. Ich wusste, wo bei den Kameraden der Schuh drückte. Insoweit war der Schritt die Verantwortung über die Ortswehr zu übernehmen wichtig für mich um einige grundlegende Dinge zu verändern, die FW mit neue Ideen zu beleben und die Ideen der Kameraden umzusetzen.

Lena Becker: Was sind Ihre Aufgaben als Wehrleiter?
Herr Schneider: Als wichtigste Aufgabe in der Funktion als Wehrleiter sehe ich für die Kameraden da zu sein, ein offenes Ohr zu haben und wenn es ungemütlich wird, mich vor meine Jungs und Mädels als Prellbock zu stellen, die Organisation der FW zu leiten und Entscheidungen zu Gunsten der Einsatzbereitschaft und der Kameradschaft zu treffen. Es gehört für mich dazu Einsätze zu leiten und die FW nach außen zu vertreten. Der Wehrleiter ist verantwortlich, dass der Laden läuft und die FW einsatzbereit ist.

Lena Becker: Was war der gefährlichste Einsatz, den Sie je gemacht haben? Haben Sie sich verletzt?
Herr Schneider: Inzwischen habe ich viele Einsätze aus unterschiedlichen Funktionen erlebt und kann keinen Einsatz als den gefährlichsten hervorheben. Mir im Gedächtnis allgegenwärtig, sind für mich als anspruchsvolle Einsätze die Hausexplosion in der Haselopstraße und der Dachstuhlbrand (inkl. Flash-over) einer leerstehenden Villa in der Dessauer Straße abrufbereit. Bisher bin ich außer kleineren Schnittverletzungen, Prellungen, Quetschungen und Schürfwunden ohne ernsthafte Verletzungen immer wohlbehalten zur Wache zurückgekehrt.

Lena Becker: Was bedeutet Kameradschaft für Sie?
Herr Schneider: Kameradschaft ist für mich gegenseitig für einander da zu sein…kurz zusammen gefasst, für mich ist die FFW Zerbst/Anhalt, eine große Familie.

Lena Becker: Wie viele Mitglieder hat die FFW Zerbst?
Herr Schneider: Die FFW Zerbst/Anhalt zählt zurzeit 50 Kameraden und Kameradinnen im aktiven Einsatzdienst, hinzukommen die Mitglieder der Kinder-FW, der Jugend-FW und der Alters- und Ehrenabteilung.

Lena Becker: Was sind ihre Wünsche für die Freiwillige Feuerwehr und auch die Jugendfeuerwehr Zerbst?
Herr Schneider: Ich wünsche mir, dass ich alle meine Kameraden und Kameradinnen gesund und ohne Verletzungen vom Einsatz wieder zurück zur Wache bringen kann, dass wir noch sehr viele kameradschaftliche Stunden auf der Wache verbringen können. Aktuell wünsche ich mir, die geplante Neubeschaffung an Einsatzfahrzeugen nach unseren Vorstellungen umsetzen zu können. Ich wünsche mir alle Kameraden und Kameradinnen, trotz der hohen Einsatzzahlen, motiviert bei der Stange halten zu können und die Jugend- und Kinderwehr als unsere Nachwuchsarbeit mit vollen Reihen an die Aufgaben des Einsatzdienstes heranzuführen.

Von Lena Becker, Klasse 8, Francisceum Zerbst