Ein Leichtathletik-Urgestein wird 80

Wilhelm Lutter wächst im Wernigeröder Stadtteil  Hasserode auf. Er besucht die Herrmann-August-Francke-Schule. Seine Hauptdisziplin wird das Laufen. Unzählbare 800m-, 1500m- und Marathonläufe bewältigt er. Als Sportler und Trainer prägt er maßgeblich die sportliche Entwicklung im Bereich Leichtathletik nicht nur im Landkreis Harz, sondern auch über die Grenzen hinaus. Fragt man Verantwortliche anderer Vereine, so wird man feststellen, dass der Name „Wilhelm Lutter“ deutschlandweit bekannt ist. Als Sportler hat er viele Erfolge errungen und als Trainer hat er zahlreiche Sportler zu Höchstleistungen getrieben und damit deren sportliche Karrieren bestimmt und gekrönt.                                                                                                                                                                                                                                                               Anlässlich seines bevorstehenden 80. Geburtstages im April dieses Jahres beantwortet Herr Lutter im Rahmen eines Schulprojektes einige Fragen. Das Interview mit Wilhelm Lutter führte Amy Turk.

Amy Turk: Herr Lutter, wie sind sie damals zur Leichtathletik gekommen?
Herr Lutter: Das war ein wenig ulkig. Ich bin damals durch den Freund meiner Schwester zum Skilanglauf gekommen. Dort hatte ich aber nicht viel Erfolg. Daraufhin bin ich ca. 1956 zur Leichtathletik, zum damaligen Dynamo Wernigerode, gewechselt. Da hat mir das Training mit den Vereinskollegen sehr gut gefallen, sodass meine sportliche Karriere dort begonnen hat. Später bin ich dann zum SC Dynamo Berlin gewechselt.

Amy Turk: Können Sie sich noch an den größten Erfolg Ihrer sportlichen Karriere erinnern? Was war das und wo fand es statt?
Herr Lutter: Das kann ich so schlecht sagen. Der beste Erfolg war eigentlich bei der zentralen Spartakiade der sozialistischen Länder in Kiew damals. Dort bin ich  über 10.000m Dritter geworden.

Amy Turk: Welche war die schönste oder kurioseste Erinnerung an einen Wettkampf?
Herr Lutter: Das schönste Erlebnis war eigentlich in Kosice beim Marathon. Wir wollten mit dem Flieger nach Kosice doch dann kam das Flugzeug nicht und wir mussten mit dem Zug nach Prag fahren. Von dort aus sind wir dann mit dem Flugzeug nach Kosice geflogen. Wir sind dann pünktlich gelandet und wurden im Theater von Kosice als Läufer aus Deutschland vorgestellt. Der Marathon war sehr schön und man wurde als Leichtathlet respektiert und geachtet. Nach dem Wettkampf haben wir noch einen Ausflug in die hohe Tatra gemacht. Das war das erste Mal für mich, dass ich in so einem hohen Gebirge war. Da gab es noch eine lustige Begegnung an der Bar mit ein paar Äthiopiern, die kein Bier kannten und nach ein paar Gläsern so betrunken waren, dass sie Lieder aus ihrer Heimat gesungen haben.

Amy Turk: Wer waren Ihre Vorbilder?
Herr Lutter: Ich dachte immer, so gut wie der Herbert Schade, so gut möchtest du auch mal werden! Ebenfalls ein Vorbild war Hans Kodotzki.

Amy Turk: Haben Sie Ziele auch mal nicht erreicht?
Herr Lutter: Ja klar, das kam auch vor. Es gibt ja nicht immer nur Erfolg im Leben. Sportlich gesehen, hätte ich bei den DDR Meisterschaften gern mehr erreicht. Einmal hatte ich mich richtig gut auf die 10.000m in Jena vorbereitet. Die ersten 2,5 km liefen wunderbar und danach bin ich komplett eingebrochen, weil ich übertrainiert hatte.

Amy Turk: Wie ist es jetzt für Sie als Trainer?
Herr Lutter: Es macht mir sehr viel Spaß meine Athleten zu trainieren, auch wenn ich leider nicht mehr mitlaufen kann. Bei jedem Training gebe ich Tipps weiter und sage meinen Sportlern, was sie machen müssen und erkläre ihnen, warum genau heute sie diese Art von Training absolvieren müssen. Das ist ja bei jedem Läufer individuell. Meine Tipps helfen allerdings nur den Sportlern, die mitziehen und motiviert zum Training kommen. Für mich ist das Wichtigste, dass der Sportler diesen Rat auch umsetzt oder es zumindest mit Ehrgeiz versucht. Eine Sache, die ich gar nicht mag, ist schummeln. Das würde mich enttäuschen.

Amy Turk: Was sind Ihre Wünsche und Ziele für die Zukunft
Herr Lutter: Gesundheit auf jeden Fall! Ich wünsche mir, dass ich noch lange durchhalte. Viele Wünsche kann man jetzt nicht mehr haben, wichtig ist, dass ich fit bleibe und mich jeden Tag bewegen kann. Ich freue mich jeden Tag, meine Sportler zu sehen und sie zu trainieren.

Amy Turk: Ich bedanke mich sehr herzlich, dass Sie sich die Zeit genommen haben und mir Rede und Antwort gestanden haben.

Bei der Sportlerehrung am vergangenen Freitag wurde die sportliche Leistung von Wilhelm Lutter gewürdigt. Er durfte sich in das Ehrenbuch der Stadt eintragen. Vielleicht schafft er es noch, seinen Traum, einmal Amerika zu bereisen, in die Tat umzusetzen. Wir wünschen ihm alles Gute und hoffen, dass er noch lange Teil der Leichtathletik-Szene bleibt.

Von Amy Turk, Klasse 8c, Gymnasium Stadtfeld, Wernigerode