Ein Wunder auf vier Pfoten

Hannah M. Mertens aus der Klasse 8/2 des Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums in Schönebeck erzählt die Geschichte eines kleinen Kätzchens namens Pumuckel.

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„Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist, dann ist es auch nicht das Ende.“
Es wird geschätzt, dass es jährlich 50.000 bis 10.0000 Katzen gibt, die unterernährt und unter schlechten Lebensbedingungen ausharren. Irgendwie schaffen sie es, über die Runden zu kommen und manchmal auch noch ihre Kitten zu ernähren. Das ist für unsere Katzen unvorstellbar, die verwöhnt und gut genährt auf ihrem Thron in der Stube sitzen, die schöne warme Sonne auf ihren Bauch und ihr seidig gepflegtes und glänzendes Fell scheinen lassen. Die Streunerkatzen leben im Dreck bei Wind und Wetter auf der Straße und in den Gassen. Diese Katzen sind für jeden Happen Futter dankbar.

So fing die dramatische Geschichte von Pumuckel auch an. Meine Großeltern waren mit ihrem Segelschiff in Umag (Kroatien), um Urlaub zu machen. An einem Sommertag lief ihnen eine dunkelbraune Streunerkatze zu. Diese war trächtig und stand kurz vor der Geburt.

Meine Großeltern fütterten diese Katze jeden Tag und kümmerten sich um das Tier. Eines Tages kam die Katzendame nicht um ihr Futter abzuholen. Sie erlitt einen furchtbaren Angriff eines Hundes, der sie direkt in den Rücken und das Rückgrat biss. Meine Oma fand die Katze und entschloss sich, die Katze auf das Boot zu bringen. Dort half sie bei der Entbindung von sechs Wollknäulen. Davon überlebte nur eines, eines mit einer rot-braunen Locke am Hals, es wurde Pumuckel genannt.

In Schwetzingen, in seinem neuem Heim, fühlte er sich sofort pudelwohl und lernte einiges von seiner Mutter. Seine Mutter starb später an den Folgen der Hundebissverletzung. Also war der kleine Pumi nun auf sich allein gestellt. Nach der Trauerphase um seine Mutter, lebte er sich wieder gut ein und entwickelte sich prächtig. Von Anfang an war er sehr an seine Besitzer und die Umgebung geprägt. Er liebte aber auch seine stundenlangen Spaziergänge durch Felder und Wiesen. Eines Tages, kam er nicht wie gewohnt in sein Heim. Er blieb weg. Wir suchten ihn tagelang, aber vergeblich. Der kleine, damals 1-jährige hübsche Kater, war verschwunden. Niemand hatte ihn gesehen. Wir hofften, dass er einen Weg findet, um wieder zu seiner Familie zu kommen, aber er schaffte es nicht. Nun mussten alle den unerklärlichen Abschied verarbeiten.

Acht Jahre, acht Jahre war der kleine Strolch vermisst. Wir wissen nicht, was in dieser ewig langen Zeit passiert ist, was er für Qualen erlitten hat und wo er sich rum getrieben hat. Eines wussten wir aber sicher, trotz des abgemagerten Körpers und der Narbe am Bauch sowie dem verfilzten Fell, es war Pumuckel. Meine Oma half zu dieser Zeit in der Katzenauffangstation, sie liebte Katzen und wollten den Tieren helfen. Die Katzen, um die sie sich kümmerte, waren teilweise krank oder so abgemagert, dass man jeden einzelnen Knochen sehen konnte. Manche Katzen waren es nur gewöhnt allein zu leben und konnten sich mit keiner anderen Katze vertragen, so auch Pumuckel.

Wir saßen alle am Tisch, im Haus meiner Oma, als sie plötzlich rief Pumuckel, Pumuckel, er ist es…! Wir waren alle verwundert und teilweise auch entsetzt. Niemand hatte damit gerechnet, dass der kleine Pumi es schafft, den Weg in Richtung Heimat zu finden. Am nächsten Tag fuhren wir alle gemeinsam zur Katzenstation und fragten nach dem Neuen. Anfangs konnte nur meine Oma zu ihm, er musste isoliert und aufgepäppelt werden. Der kleine Pumi war dürr und verletzt. Wir nahmen an, dass er nicht die ganze Zeit auf der Straße gelebt hatte, er wurde kastriert und trug davon eine große Narbe am ganzen Bauch. Pumi ließ niemanden an sich heran, er kratze, biss und fauchte. Nur langsam fasste er wieder Vertrauen. Wahrscheinlich hat die Zeit auf der Straße ihn sehr geprägt und vielleicht auch traumatisiert. Wir kümmerten uns liebevoll um Pumuckel und haben ihn wieder an das normale Leben gewöhnt und ihm gezeigt, wie schön das Leben sein kann. Meine Oma hat es bis zu ihrem Ziel geschafft, sie wollte Pumi wieder mit nach Hause nehmen, um wunderschöne Momente mit dem Pumuckel zu verbringen, den sie kennengelernt hatte. Mit viel Mühe, Ausdauer, Geduld und Zeit hat sie es erreicht. Wir durften Pumi wieder mit nach Hause nehmen. Pumuckel war wie ausgewechselt, als er seine alten vier Wände betrat. Er fühlte sich wohl, war zufrieden und ausgeglichen. Der Kater lebte sich wieder gut bei uns ein und genießt fortan jede Stunde mit seiner Familie. Eine Sache bleibt aber sein Leben lang: Er hat panische Angst vor Hunden! Heute ist er ein lebensfroher und lieber Kater. Bei einer Aufführung im Schwetzinger Theater hing sogar schon ein Portrait von Pumuckel. Seine Geschichte wurde zudem in der Schwetzinger Tageszeitung abgedruckt. Also ist der kleine sogar schon ein richtiger Star. Pumi ist jetzt fünfzehn Jahre alt und lebt mit meiner Oma nun in Schönebeck und genießt sein verwöhntes Leben.

Von Hannah M. Mertens
Klasse: 8/2
Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium Schönebeck

Quelle: Eigenes Erleben