„Es fühlt sich an wie Honig im Kopf“

Magdeburg • Letztes Jahr kam ein Film ins Kino, der meinem Stiefvater die Tränen in die Augen trieb. Es war der Film von und mit Till Schweiger: „Honig im Kopf“. Er handelt von einem Tierarzt in Pension, der an Demenz erkrankt und den Alltag nicht mehr allein bewältigen kann.
Mein Stiefvater hat ebenfalls einen Vater, der Tierarzt war und an Demenz erkrankt ist. Der Film hat ihn sehr berührt.

Leonie: Wie bemerkt man diese Krankheit?
Vater: Es ist eine Krankheit, die sich langsam in den Alltag schleicht. Anfangs sind es nur kleine Dinge, die kaum auffallen, zum Beispiel mehrfache Nachfrage nach Datum und Uhrzeit. Zunehmend wird das Vergessen stärker. Alltägliche Dinge wie Körperpflege und Nahrungsaufnahme werden vergessen. Mein Vater fragt ständig, was er jetzt machen soll. Meine Mutter muss ihm die Kleidung bereit legen, behilflich sein bei der Körperhygiene und Essen vorbereiten. Wichtig ist es ihm die „Arbeit“ nicht abzunehmen, sondern ihn zu erinnern, was zu tun ist.

Leonie: Hat sich das Wesen deines Vaters verändert?
Vater: Mein Vater war früher recht aufbrausend und ungeduldig. Heute ist er sehr ruhig und hat ein freundliches Wesen. Das Langzeitgedächtnis ist immer noch vorhanden. Wenn wir durch das Jerichower Land, unsere Heimat, fahren, erkennt er Orte aus der Vergangenheit problemlos. Was wir allerdings vor fünf Minuten besprochen haben, hat er vergessen. Das macht mich sehr traurig!

Leonie: Bereitet ihm diese Krankheit Schmerzen?
Vater: Nein, Schmerzen bereitet ihm diese Krankheit nicht.

Leonie: Gibt es Medikamente, um das Vergessen aufzuhalten?
Vater: Nein, wirksame Medikamente gibt es zum heutigen Zeitpunkt noch nicht. Jedoch läuft eine intensive Forschung auf diesem Gebiet, unter anderem am Leibnitz-Institut Magdeburg.

Leonie: Wie gehst du mit der Krankheit um?
Vater: Es tut mir weh, den Verfall meines Vaters mitanzusehen. Ich gebe mir Mühe, es ihn nicht merken zu lassen. Sehr wichtig bei Demenz ist ein immer wiederkehrender Rhythmus im Alltag. Jeder Tag sollte nach Möglichkeit gleich ablaufen, damit das Gedächtnis immer wieder erinnert wird. Veränderungen, zum Beispiel eine Urlaubsreise oder ein Ausflug, sind sehr schwierig.

Leonie: Was wünschst du dir für die Zukunft?
Vater: Ich würde mir wünschen, dass ein Medikament entwickelt wird, welches die Demenz bekämpft beziehungswiese verlangsamt. Schön wäre es, wenn die Ursachen für die Krankheit erforscht werden würden. Dadurch würde besonders den Angehörigen und Pflegenden viel Kummer und Leid erspart bleiben.

Von Leonie Kind, Klasse 8a, Sekundarschule Sülzetal