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Ist die Einführung einer Einsatzpauschale eine mögliche Lösung für das Problem der Unterbesetzung? Ein Artikel von Bennet Feldheim, Klasse 9, Sekundarschule „LebenLernen“ Schneidlingen.

Der Pieper geht los. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Hecklingen fahren zu ihrer Wehr und wollen ausrücken. Aber sie können nicht, weil sie mal wieder unterbesetzt sind. Deshalb gibt es seit Anfang des Jahres die Idee der Einführung einer Einsatzpauschale von 15 Euro. Ist das eigentlich machbar?

Hecklingen. Als angehender Feuerwehrmann bin ich traurig darüber, wenn wir nicht helfen können, wo wir helfen möchten und müssten. In unserer Region ist der Mangel von Einsatzkräften wirklich ein großes Problem. Deshalb hat man als Ansporn die Idee gehabt, eine Einsatzpauschale einzuführen. Bloß unsere Stadt Hecklingen ist sehr hoch verschuldet. Wie soll das also gehen?

Seit Anfang dieses Jahres können Gemeinden jedem Mitglied der Freiwilligen Feuerwehren pro Einsatz 15 Euro bezahlen. So war es in der Volksstimme vom 29. Januar 2020 zu lesen. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) will dadurch in Sachsen Anhalt mehr Einsatzkräfte gewinnen.

Die Meinungen dazu gehen weit auseinander! Während der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Schneidlingen kamen diese Meinungen zur Sprache: Der Bürgermeister aus Schneidlingen, Martin Zimmermann (SPD-Fraktion), hat dafür Verständnis, denn er schätzt das Ehrenamt von den Kameraden und betont auch, wofür überall Geld in der Stadt Hecklingen ausgegeben wird. Er meint auch, dass man sicher auf einiges verzichten könnte und somit lieber Geld einsetzen sollte, um das Ehrenamt zu schätzen. Der Bürgermeister der Stadt Hecklingen, Uwe Epperlein (Wählergemeinschaft Hecklingen/ WGH), schätzt das Ehrenamt sehr, aber trotzdem ist er nicht für die Einführung der Einsatzpauschale. Er meint, die Kameraden machen dies freiwillig und müssen nicht extra noch bezahlt werden. Mario Schwarz, (WGH-Fraktion), meint dazu, dass er lange darüber nachgedacht hat und zu dem Entschluss gekommen sei, dem Vorhaben einer Einsatzpauschale zuzustimmen.

Kann eine Einsatzpauschale eine Lösung für die Freiwillige Feuerwehr sein? Foto: Bennet Feldheim

Ich finde, dass es Sinn machen würde, solch eine Pauschale einzuführen. So wird das Ehrenamt von den Freiwilligen geschätzt und es gibt einen Anreiz für die Mitglieder, zum Einsatz zu kommen.
Denkt denn keiner daran, dass für die Anfahrt zur Wehr auch Spritkosten entstehen, die damit beglichen werden könnten? Da wir auf dem Lande wohnen, arbeiten die Kameraden in Betrieben, die nicht in unserer unmittelbaren Nähe sind. Da können also einige Kilometer zusammenkommen.

Und wie sieht es mit dem Arbeitgeber aus? Sobald ein Einsatz kommt, müssten die Kameraden diesen Betrieb verlassen. Aber wer kommt für den Ausfall auf? Deshalb wird sicherlich ein Chef seine Leute nicht mehr losfahren lassen können. Produktionsausfall wegen fehlender Mitarbeiter kann sich kein Betrieb so ohne Weiteres leisten. Mir ist durch ein Interview mit Herrn Epperlein zu einem anderen Problem bekannt, dass sich die Stadt Hecklingen in einer schwierigen finanziellen Situation befindet.

Wie kann also noch geholfen werden?
Weil für die Anschaffung von Feuerwehrbekleidung und deren Reinigung für das einzelne Feuerwehrmitglied keine Kosten entstehen, könnte man sich vielleicht in der Stadt Hecklingen auf eine andere, geringere Summe, als Einsatzpauschale einigen.

Ich als Mitglied der Jugendfeuerwehr in Schneidlingen sehe auch, dass es bei uns in der Feuerwehr finanziell schlecht aussieht. Wir haben noch Bekleidung an, die schon circa 20 Jahre und älter ist. Vielleicht könnte die Stadt ja auch sagen, dass es für jeden gefahrenen Einsatz eine bestimmte Summe gibt. Und die Wehren entscheiden dann selbst, wofür das Geld ausgegeben wird. So könnte die Stadt auch ein bisschen clever bei dieser Sache sparen.

Ich hätte auch noch einen anderen Vorschlag. Wie wäre es, wenn jeder Haushalt einmal im Jahr eine Spende zur Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehren unserer Stadt leisten würde? Das entlastet den Haushalt der Stadt Hecklingen und honoriert das Ehrenamt. Außerdem könnte die Spendenquittung von den zahlenden Personen bei der Steuererklärung eingereicht werden. Also sollten lieber alle Bürger jetzt und sofort mit dafür Sorge tragen, dass die Freiwilligen Feuerwehren ausrücken können, wenn sie gebraucht werden.

Eins ist nämlich jetzt schon sicher: Wer weiß denn heute schon, ob er nicht auch einmal die Hilfe der Wehr benötigt?
Vielleicht folgen unserem Aufruf, Mitglied der Feuerwehr zu werden, doch noch mehr Freiwillige. Auch das ist eine Möglichkeit, der Unterbesetzung entgegenzuwirken.

Von Bennet Feldheim
Klasse 9
Sekundarschule „LebenLernen“ Schneidlingen