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Girls’ and Boys’ Day – Ein Tag zum Chillen oder eine Chance?

Der Girls’ und Boys’ Day, der Zukunftstag für Schüler, findet jedes Jahr an einem Donnerstag im Frühjahr vor Ostern statt. In diesem Jahr war es der 28.03.2019 und Hendrikje Heinze war dabei.

Hendrikje Heinze – Foto: Heinze

Jeder Schüler, nicht nur Mädchen, ab der Klassenstufe 5 hat die Möglichkeit, anstelle von Unterricht hinter die Kulissen von Unternehmen, Betrieben, Hochschulen, Forschungszentren oder anderen Institutionen zu blicken. Ziel des Zukunftstags ist, dass Mädchen in Berufe hinein schnuppern können, in denen zumeist Männer tätig sind. Umgekehrt sollen die Jungen Berufe kennenlernen, die häufig von Frauen dominiert werden. Mein Zukunftstag führte mich dieses Jahr in das Institut für klinische und molekulare Immunologie an der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg zu Prof. Dr. Dirk Reinhold.
Wie ist es nun aber: Ist der Zukunftstag ein Tag, an dem sich der Schüler vom stressigen Unterricht entspannen kann, oder bietet er eine echte Chance, Neues kennen zu lernen und Hilfestellung bei der Berufswahl zu geben?
Die Antwort hängt sicherlich zunächst von der Initiative des Schülers ab. Dabei ist es nicht schwer, den Zugang zu den Institutionen zu finden. „Ich sehe das sehr positiv. Ich hätte mir als Schüler gewünscht, in Berufe reinschauen zu dürfen“, sagt Prof. Dr. Reinhold und unterstreicht damit, wie sehr Betriebe und Einrichtungen an den Schülern interessiert sind. „Der Zukunftstag bietet zudem die Chance, in Berufe reinzuschnuppern, zu denen man sonst nicht so einfach Zugang findet. Was ein Friseur macht, weiß ja jeder“, ergänzt Karina, eine Mitarbeiterin von Prof. Dr. Reinhold. Der Zukunftstag bietet somit den Schülern die echte Chance, neugierig zu sein und neue Erfahrungen für die spätere Berufswahl zu sammeln. Diese müssen dabei nicht immer positiv sein. So sollten sich Schüler vorher überlegen, wo sie ihre eigenen Grenzen sehen. „Beispielsweise ist nicht jede Station in einem Krankenhaus für einen Schnuppertag geeignet. Da kann man schnell mit harten Grenzsituationen konfrontiert werden, die eher abschrecken als für einen Beruf Neugier wecken“, meint Dr. Marianne Schelle, Oberärztin am Städtischen Klinikum Dessau. Wenn man sich mit dem Thema richtig auseinandersetzt, stellt man schnell fest, wie viele Möglichkeiten, wie viele interessante Berufsfelder es gibt. Und gerade weil wir in eine Zeit hineinwachsen, in der es in fast allen Berufsgruppen an Fachkräften mangelt, ist es wichtig, die Stereotypen männlicher und weiblicher Berufsbilder abzubauen. „Ich freue mich darüber, wenn sich einmal ein Junge für den Beruf des Zahnarzthelfers interessiert und einen Schnuppertag absolvieren möchte“, sagt die Zahnärztin Dr. Anke Heinze aus Eilsleben.
Doch auch die Schüler sehen den Zukunftstag eher nicht als Chance zum Chillen, sondern als Challenge. Dabei muss es nicht unbedingt eine besonders ausgefallene Einrichtung sein. Oder wisst ihr wirklich, was eure Eltern den ganzen Tag arbeiten? „Mein Vater ist für administrative Aufgaben in einem großen Lebensmittelunternehmen tätig. Was er genau da macht, bekomme ich heraus, wenn ich mit ihm am Zukunftstag nach Bernburg fahre und ihm einen Tag lang bei der Arbeit zusehe“, hofft Jolina Könnecke, Schülerin der Klasse 8-2 des Börde-Gymnasiums Wanzleben. Andere Schüler interessieren sich für journalistische Berufsfelder und gehen einen Tag in das MDR-Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt nach Magdeburg. Es gibt unter den Schülern aber auch kritische Stimmen, beispielsweise dass der Tag viel zu kurz ist, um einen Blick für eine bestimmte Tätigkeit zu erlangen. Oder aber es fehlt einfach an Ideen. Für mich fällt die Antwort eindeutig aus: Der Zukunftstag ist ein Tag für meine berufliche Zukunft. Mein Eindruck ist, dass sowohl die Betriebe, Einrichtungen und Institution als auch die Schüler weit überwiegend sehr engagiert und interessiert sind. Diese Chance sollte jeder für sich sinnvoll nutzen.

Von Hendrikje Heinze
Klasse: 8-2
Börde-Gymnasium Wanzleben

Quellen: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/kurzmeldungen/DE/2014/03/girlsandboysday.html