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Das Wahrzeichen Magdeburgs feiert dieses Jahr sein 500. Vollendungsjahr. Zu diesem Anlass werden viele tolle Veranstaltungen stattfinden, aber wir wollen auch kurz auf die lange und bewegte Geschichte unseres Doms zurückblicken. Im Interview mit unserem Domprediger, Jörg Uhle-Wettler. Von Blanka Janiga, Klasse 8/2, Werner-von-Siemens-Gymnasium.

Diese Geschichte begann bereits im 10. Jahrhundert, als Otto der Große nach der erfolgreich gewonnenen Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg im Jahre 955 sein vorkriegliches Gelöbnis in die Tat umsetzte und die Maritius-Klosterkirche in Magdeburg zu einer romanischen Basilika und zur Grabeskirche seines Königshauses umbauen ließ. Er stattete den großartigen Bau mit vielen prunkvollen, auf seiner Reise durch Oberitalien gesammelten Spolien aus; eines von diesen Stücken, das achteckige Porphyr-Brunnenbecken wird heute noch als Taufbecken genutzt. Die meisten anderen Spolien sind leider nicht mehr erhalten, auch wenn diese 1004 zunächst in den “zweiten”, neu erbauten Dom umzogen. Dieser Wiederaufbau war nach dem Einsturz (Gründe sind ungeklärt) der Basilika im Jahre 982 auch notwendig. Domprediger Jörg Uhle-Wettler äußerte sich in einem Interview folgendermaßen über den Verlust der wertvollen antiken Spolien: “Alles, was verloren geht, ist ein Verlust. Wir haben aber ein paar große Sachen noch da, [so zum Beispiel] den Taufstein. Es ist eben leider so, dass nichts für die Ewigkeit ist, es geht alles irgendwann auch wieder kaputt oder verloren. Manches taucht auch wieder auf, aber alles, was Zerstörung ist, ist ein Verlust.”

Aber selbst wenn es immer wieder Verluste gab, zum Beispiel als am Karfreitag des Jahres 1207 ein Brand ausbrach und bis auf die Außenmauern der Basilika und den Kreuzgang-Südflügel den gesamten, gerade mal 200 Jahre alten Dom zerstörte, so wurde doch immer alles getan, um diese Verluste wieder herzustellen. Albrecht Graf von Käfernburg, der damalige Leiter des Erzbistums, ließ die noch erhaltenen Mauern abreißen und es wurde ein gotischer Dom anstelle der romanischen Basilika erbaut. Diese Änderung empfindet auch Herr Uhle-Wettler als sehr positiv. “Es war eine großartige, eine mutige Entscheidung”, meint der Domprediger. “Albrecht von Käfernburg war sehr mutig, da natürlich alle gesagt haben, das würde nicht funktionieren. Aber er hat sich trotzdem dem neuen Baustil angepasst. Romanik hat ihre Zeit, Gotik hat ihre Zeit. Es wäre nicht sinnvoll gewesen, den Dom wieder in der Romanik aufzubauen.”

Abbildung des Doms, von Iman Shaaban.
Abbildung des Doms, von Iman Shaaban.

Nach 1230 folgten bedeutende Veränderungen. Unter anderem wurden die fast lebensgroßen Skulpturen der Dompatronen Mauritius und Katharina errichtet, sowie der Zyklus der klugen und törichten Jungfrauen, welchen man am Paradiesportal finden kann.
Es kam das 19. Jahrhundert; der Dom erlebte eine neue Veränderung. Die Kirche wurde zum Waren- sowie Waffenlager und Viehstall für die Truppen Napoléon Bonapartes. Wäre dieses Gebiet im Mai 1814 nicht durch preußische und russische Truppen zurückerobert worden, so wäre der Dom wohl vollständig verfallen. Ein weiterer Glücksfall war der Besuch des preußischen Königs Friedrich Wilhelm des Dritten im September 1825, denn als dieser den Dom in seinem elenden und baufälligen Zustand erblickte, fasste er einen Entschluss und bewilligte spontan 60.000 für die Wiederherstellung. Die Durchführung der Restaurierung, welche bis 1834 dauerte, wurde dem berühmten preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel überlassen. Ihm verdanken wir das heutige Aussehen des Doms, an dem auch heute noch Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden. Gemäß Jörg Uhle-Wettlers Aussagen arbeite man zur Zeit am Epitaph, was “ein sehr spannendes” Projekt sei, da man mit der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg zusammen-arbeite und mit Hilfe eines 3D-Druckers die fehlenden Teile nachstelle. Die Sanierung der Platte finde auch unter Öffentlichkeitsbetrieb statt.

Tatsächlich hat die Geschichte des Domes auch heute noch eine zentrale Bedeutung. “Der Dom ist immer für die Lebenden gebaut, es ist kein Museum, sondern ein lebendiger Ort, der geschichtliche Parameter verbindet. Letztendlich ist er aber für die Menschen da, die gerade leben, damit sie auftanken, hören und singen können und einen wunderbaren Raum für ihren eigenen Horizont haben.”, meint unser Domprediger. “Außerdem wird der Dom von allen Magdeburgern geliebt.”
Wie bereits erwähnt, wird der Dom dieses Jahr sein 500. Vollendungsjahr feiern. Dieser runde Geburtstag soll natürlich auch dementsprechend begangen werden. Es soll mit Handwerkern und Ausstellungen, Lesungen und Theateraufführungen, Konzerten und Oratorien und noch vielem mehr gefeiert werden. Grund genug zur Freude. Schließlich ist “der Magdeburger Dom die Magdeburger Seele”.

 

Von Blanka Janiga
Klasse: 8/2
Werner-von-Siemens-Gymnasium