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Viele Menschen arbeiten derzeit im Home Office. Die Meinungen dazu gehen oft auseinander. Nico Neumann aus der 9.Klasse 9 der Sekundarschule „LebenLernen“ Schneidlingen hat zu diesem Thema einen Unternehmer aus der Logistikbranche interviewt.

Frau N. arbeitet voll konzentriert an der Aufstellung der Umsätze des letzten Monats. Diese will ihr Chef bis morgen 9:00 Uhr auf dem Schreibtisch haben. Die junge Mutter eines zweijährigen Kindes freut sich, dass sie so schnell nach der Elternzeit wieder einen gut bezahlten Job gefunden hat. Da klingelt das Telefon. Die Erzieherin der KITA ist dran. Der Sohn von Frau N. hat Fieber und muss schnellstmöglich abgeholt werden. Was nun?
Frau N. braucht noch etwa eine Stunde, um ihre Arbeit gewissenhaft zu beenden. Sie ist aber auch eine verantwortungsbewusste Mutter und liebt ihren Sohn über alles. Zum Glück arbeitet Frau N. im Home Office. Diese Möglichkeit hat ihr neuer Arbeitgeber Frau N. angeboten, da er damit gute Erfahrungen gemacht hat. Sie ruft im Unternehmen an und teilt ihren Kollegen mit, dass sie ihre Arbeit unterbricht und erstmal nicht erreichbar ist. Frau N. holt ihren Sohn ab und fährt gleich mit ihm zum Arzt. Nachdem sie ihm die verschriebenen Medikamente gegeben hat, schläft er ein und Frau N. kann ihre Arbeit in Ruhe beenden. Am nächsten Morgen liefert sie die Unterlagen bei ihrem Chef Herrn M. ab.

„Homeoffice ist für uns eine sehr gute Alternative für die Arbeitnehmer im Büro. Sie haben damit die Möglichkeit, Familie, Haushalt und Beruf unter einen Hut zu bringen. Die Mitarbeiter sind motiviert durch das entgegengebrachte Vertrauen und seltener krank.“, sagt Herr M. im Interview. Der Unternehmer leitet eine Firma der Logistikbranche. Er fordert Zuverlässigkeit und ordentliche Arbeit von seinen Angestellten. Nur so kann er sich am Markt behaupten.

Nico N., Schüler einer 9. Klasse, nutzt Homeoffice. Gerade in Zeiten der Corona-Krise ist das eine gute Möglichkeit, Lernstoff zeit- und ortsunabhängig zu erledigen.Er bleibt über die Moodle-Plattform und regelmäßige Videochats im engen Kontakt mit seinen Lehrern und Mitschülern. Foto: Ines Neumann

Auch Herr A. arbeitet in dem Unternehmen. Er ist 62 Jahre alt und hat schon einige Unternehmen im Laufe seines Berufslebens kennen gelernt. Mit Home Office kann er sich nicht anfreunden. Er befürchtet, dass dann der Kontakt zu seinen Kollegen verloren geht. Der regelmäßige Austausch, auch mal zwischendurch, ist für Herrn A. sehr wichtig. Er meint: „Ich brauche die Menschen um mich. Meine Frau ist vor drei Jahren gestorben und ich bin froh, wenn ich unter die Leute komme. Abends bin ich noch lange genug alleine.“

Da Herr A. seinen Arbeitsplatz in 10 Minuten zu Fuß erreicht, ist für ihn der Wegfall des Arbeitswegs auch kein Argument für Homeoffice.  Aber kann Herr M. seine Mitarbeiter im Homeoffice auch ausreichend kontrollieren?
Er antwortet darauf: „Es ist nicht notwendig, dass ich kontrolliere, ob die Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit nicht unterschreiten. Für mich zählt das Ergebnis. Wenn sie im Homeoffice ihre Aufgaben gut erledigen, dann ist das besser für mich, als wenn sie im Büro ihre Zeit absitzen.“

Damit hat Herr M. Recht, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt. Die fehlende Kontrolle der Mitarbeiter steigert langfristig die Zufriedenheit und Produktivität der Angestellten. Bei der Befragung gaben etwa 60% der Arbeitnehmer an, sie seien mit ihrer Arbeit zufriedener, wenn das Unternehmen weniger kontrolliert. Und im Homeoffice sind die Kontrollmöglichkeiten besonders gering. Die Studie des IW zeigt, dass Homeoffice die Mitarbeiter produktiver macht und deren Laune verbessert. Herr A. hat sich gegen Homeoffice entschieden, aber für Frau N. ist diese Möglichkeit der Arbeitseinteilung ein wahrer Segen. Und auch ihr Sohn profitiert davon. Er wird später stolz auf seine Mama sein. Sie ist erfolgreich im Beruf und trotzdem war sie immer für ihn da.

Heute, zur Zeit der Corona-Epidemie, ist diese Variante der Arbeit und des Lernens wichtiger denn je. Wer, wie der Unternehmer Herr M., schon länger auf diese Art und Weise arbeitet, dürfte keine Angst vor dem „Danach“ haben.

Von Nico Neumann
Klasse 9
Sekundarschule „LebenLernen“ Schneidlingen