Skip to content

„Ich bin der Letzte von 36 Sportlern“

Traust du dich mit 100km/h durch einen Eiskanal zu rodeln? Toni Eggert, der mehrfache Weltmeister, traut sich und hat dem Schüler Julius Kroll aus der Klasse 8a des Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Wernigerode viele Fragen beantwortet.

Rennrodel-Athleten im Eiskanal. Foto: Pixabay

Die Kinder des Bob-und Rodelclubs (BRC) Ilsenburg trauen sich durch den Eiskanal. Dieser ist oft länger als ein Kilometer und mit scharfen Kurven und langen Geraden bestückt. Der BRC Ilsenburg existiert schon seit 1924 und feiert damit dieses Jahr den 95. Geburtstag. Seit vielen Jahren hält sich der Verein, als einer der letzten Vereine Sachsen-Anhalts. Das hat auch einen Grund, denn Sachsen-Anhalt wird mehr als Sommersportland angesehen. So fehlen oft die Gelder und das winterliche Wetter, um Rennrodelbahnen zu bauen. In Schierke gibt es eine ca. 200 Meter lange Bahn. Aber diese kann nur bei längeren kälteren Temperaturen genutzt werden, das liegt daran, dass es eine Natureisbahn ist, also eine Rennrodelbahn aus Natureis. Die anderen Bahnen der Welt nutzen jedoch Kunsteis, deshalb sind diese Bahnen nicht so stark auf das Wetter angewiesen. So kommt es, dass die Kinder des BRC im Winter in das 2 ½ Stunden entfernte Oberhof fahren müssen, um ein paar Trainingsstunden auf dem Eis zu absolvieren. Im Jahr 2018 kamen sie auf durchschnittlich 55 Fahrten. Unter diesen Umständen ist es natürlich nicht einfach, an die Weltspitze zu kommen. Dennoch gibt es immer wieder Ausnahmetalente, wie der mehrfache Weltmeister, Gesamtweltcup-Gewinner und Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang: Toni Eggert.

Toni war so nett und hat sich bereit erklärt mir ein paar Fragen zu beantworten.

Warum bist du Rennrodler geworden?
Wegen meiner Familie. Meine ganze Familie bestand aus Rodlern. Mein Opa war Rodler und mein Vater war Rodler.

Was bedeutet für dich Rennrodeln?
Da ich die meiste Zeit in meinem Leben Rennrodler war und noch bin und Rodeln auch mein Beruf ist, bedeutet es mir sehr viel. Außerdem mache ich es auch aus Überzeugung und weil es Spaß macht.

Seit wann rodelst du?
Im Alter von 5 Jahren habe ich zum ersten Mal auf einem Schlitten gesessen. Im Jahr 2000, da war ich 12 Jahre alt, bin ich auf die Sportschule gegangen und hab somit richtig damit angefangen.

Wie fühlst du dich, wenn du kurz vor dem Start bist?
Es ist ein schönes Gefühl. Ich finde es macht sogar mehr Spaß, als im Training am Start. Aber es ist auch ein bisschen Aufregung dabei.

Wie lange ist Sascha Benecken schon dein Doppelsitzer-Partner?
Seit dem Jahrgang 2010-2011 ist Sascha schon mein Partner.

War der Weg zum Rennrodelprofi schwer?
Natürlich, am Anfang als ich nach Oberhof zur Sportschule kam waren wir 36 Sportler. Ich bin der Letzte, der noch übrig geblieben ist.

Warst du schon an dem Punkt wo du dachtest, du kannst nicht mehr?
Als ich als kleiner Junge zu Sportschule ging, kam schon oft dieser Punkt, wo man darüber nachdenkt. Das kam auch durch den Weg zur Sportschule. Wenn man dann am Sonntag wieder in den Zug steigen muss und dann wieder mehrere Stunden nach Oberhof fährt. Aber ich bin froh, es durchgezogen zu haben und jetzt an der Weltspitze zu stehen.

Was war ein dein schwerster Sturz beim Rodeln?
Mein schwerster Sturz war beim Training 2011 bei meiner ersten Weltmeisterschaft mit Sascha. Bei dem Sturz hatten wir aber viel Glück, dass nichts passiert ist. Bei diesem Sturz haben wir uns bei 120 km/h mehrfach überschlagen.

Hattest du Angst, nach dem Sturz weiterzufahren?
Eigentlich nicht. Das ist in unserem ersten gemeinsamen Jahr passiert. Wir haben dann einen Tag ausgesetzt, haben den Schlitten zusammen geflickt und sind dann beim Wettkampf wieder mitgefahren. Angst habe ich schon lange nicht mehr, man darf nie Angst vor einer Bahn haben, sonst schleifen sich Fehler ein. Ich hab mehr Respekt, als Angst vor den Bahnen.

Wie denkst du, geht deine Kariere weiter?
Auf jeden Fall wollen wir unser Niveau an der Weltspitze noch drei Jahre bis zu den Olympischen Spielen 2022 in Peking halten.

Toni Eggert ist natürlich eine Ausnahme. Er hat den weiten Sprung zum Weltmeister geschafft. Diesem Beispiel folgen viele Nachwuchssportler. So auch die Kinder des BRC. Sie trainieren jeden Mittwoch von 16:30-18:00 Uhr in der E-Werk Halle in Ilsenburg. Unter der Trainerin Antje, die seit 1 ½ Jahren Trainerin ist, betreiben die Kinder Kraftsport, Gewandtheit und Ausdauer.

Von Julius Kroll
Klasse: 8a
Gerhart-Hauptmann-Gymnasium Wernigerode

 

Quellen:

  • http://www.brc-ilsenburg.de/
  • Interview mit Toni Eggert