Inklusion von beeinträchtigten Kindern im Grundschulalltag

Es ist ein ganz normaler Montagmorgen in der Klasse 2b. Nach dem Wochenende haben die sich viel zu erzählen. Es herrscht ein reges Treiben. Da bemerkt man gar nicht, dass hier zwei „besondere“ Kinder mitlernen: Ein sehbehinderter Junge und ein Mädchen mit geistiger Behinderung. Alle setzen sich hin und packen ihre Sachen aus, auch Aysha und Lucas. Die anderen Kinder zeigen dabei überhaupt keine Scheu oder Berührungsängste, denn sie sind ein Teil der Klassengemeinschaft. Zusätzlich zur regulären Lehrerin, gibt es in der Klasse eine Integrationshelferin, die gerade auch hereinkommt und sich zu ihnen setzt. Und schon beginnt der Unterricht.

Die UN-Behindertenrechtskonvention hat 2008 Inklusion zum Menschenrecht für Behinderte erklärt. Inklusion heißt Zugehörigkeit. Das bedeutet, dass alle Kinder, gemeinsam mit den beeinträchtigten Kindern, in allen Bereichen genauso lernen dürfen. Das gelingt ihnen mit Aysha noch nicht in allen Bereichen.

Die Integrationshelferin hat eine begleitende Aufgabe. Sie unterstützt die Lehrerin bei der Erreichung von individuellen Lernzielen und hilft dem Kind bei Schwierigkeiten im Alltag.

Die beeinträchtigten Kinder haben nicht die gleichen Lernziele oder arbeiten in unterschiedlichem Tempo. Der sehbehinderte Junge arbeitet mit einem Lesegerät (siehe Bild). Es vergrößert sein Heft, Buch oder Geschriebenes. Damit kann er auch auf die Tafel gucken, um dem Unterricht so zu verfolgen. Zusätzlich muss er sich nicht mit der schwierigen Schreibschrift quälen, sondern darf noch in Druckschrift schreiben. Aber sonst ist er auf dem gleichen Niveau wie die restlichen Schüler.

Inklusion

Lesegerät des sehbehinderten Jungen. | Foto: Teresa Heinemann

Bei Aysha ist der Alltag ohne die Integrationshelferin nicht zu bewältigen. Die individuellen Lernziele könnte sie sonst ohne diese Hilfe nicht erreichen. In Gestalten, Musik und Sport wird das Mädchen bereits sehr gut inkludiert. Allerdings funktioniert das nicht in allen Fächern. In Deutsch und Mathematik zum Beispiel, sitzt sie mit ihrer Integrationshelferin an der Seite und arbeitet separat, wobei dies manchmal auch ein Störfaktor für den Rest der Klasse darstellt.

„Wir haben schon viele Lernziele erreicht, aber sie ist noch längst nicht auf dem Stand der anderen“, erzählt die Klassenlehrerin der 2b. Die Schüler behandeln gerade Personalpronomen und Aysha lernt ihre ersten Buchstaben. „Wir als Schule fühlen uns nicht in der Lage, sie auf das Leben vorzubereiten. Dafür fehlen uns einfach die Mittel und Möglichkeiten“, erklärt die Lehrerin. „Im ersten Halbjahr konnte man ihr keine Farben geben, ohne dass sie den Tisch bemalte“, berichtet mir die Integrationshelferin.“ Jetzt ist sie auf dem Niveau eines Vorschulkindes.“ Ob sie noch richtig Lesen oder Schreiben lernen wird, weiß niemand so recht.

Auf die Frage wie es jetzt weiter geht, antwortet mir die Lehrerin: „Wir werden sie jetzt die drei Jahre Schuleingangsphase nutzen lassen, aber dann wird ein Schulwechsel unausweichlich sein. In den drei Jahren, die wir ihr geben konnten, hat sie sich gut entwickelt.“

Natürlich bemerken die anderen Kinder, dass ihre beeinträchtigten Mitschüler anders sind, aber sie verstehen noch nicht das Ausmaß. Für die meisten Kinder dieser Klasse, hat Aysha nur Hörgeräte, ist sehr klein und hat vielleicht ein komisches Lachen und eine tiefe Stimme. Mit sieben Jahren müssen sie auch noch nicht den Grund dafür verstehen. Das Wichtigste ist, dass sie Aysha gut in die Klassengemeinschaft aufnehmen und nicht ausgrenzen. Dies ist hier der Fall. Die Mädchen helfen ihr beim Umziehen in der Sporthalle und wenn Lucas etwas nicht lesen kann, helfen ihm die anderen.

Alles in allem ist Inklusion an Grundschulen eine sinnvolle Angelegenheit, weil die Kinder schon in jungen Jahren lernen, dass Anderssein nichts Schlimmes ist. Sie lernen zu tolerieren und zu akzeptieren.

Von Teresa Heinemann, Klasse 8/1, Albert-Einstein-Gymnasium Magdeburg