Kampfmittelbeseitiger – ein gefährlicher Job

Sprengung einer Bombe | Foto: privat

Die vielen Bombenangriffe im zweiten Weltkrieg verwüsteten die Städte und töteten tausende Menschen. Auch heute liegen in Deutschland noch viele unentdeckte Blindgänger unter der Erde, bereit, jede Sekunde zu explodieren. Um dies zu verhindern, suchen die Kampfmittelbeseitiger täglich zurückgebliebene Munition aus dem zweiten Weltkrieg. Gerd M. (Name geändert) hat 40 Jahre beim Kampfmittelbeseitigungsdienst gearbeitet und ich durfte ihn über sein Berufsleben interviewen.

Lisa: Was genau ist die Aufgabe des Kampfmittelbeseitigungsdienstes?
Gerd M.: Beim Kampfmittelbeseitigungsdienst wird Munition gesucht und vernichtet, indem sie gesprengt, entschärft oder verbrannt wird. Die Verbrennung der Munition findet in extra Anlagen statt.

Lisa: Wie sind Sie darauf gekommen, beim Kampfmittelbeseitigungsdienst zu arbeiten?
Gerd M.: Das war Zufall. Es wurden in Huy bei Athenstedt Leute gesucht, da das ganze Gelände dort verseucht war. Das habe ich zufällig mitbekommen und habe mich dann dort beworben.

Lisa: Mussten Sie vorher eine Ausbildung machen?
Gerd M.: Der Stahlberuf war die Vorrausetzung zur Bewerbung. Ich war gelernter Werkzeugmacher und hatte daher Erfahrung. Außerdem mussten wir auch Prüfungen zur Qualifizierung in der Sprengschule Dresden ablegen. Im Winter hatten wir immer Weiterbildungen und Schulungen.

Lisa: Wann haben Sie angefangen und wie lange haben Sie beim Kampfmittelbeseitigungsdienst gearbeitet?
Gerd M.: Ich habe von 1973 bis 2013 dort gearbeitet. Also 40 Jahre bis ich in den Vorruhestand gegangen bin.

Lisa: Wie viele Kollegen hatten Sie?
Gerd M.: In ganz Sachsen-Anhalt gab es ungefähr 60-65 Mitarbeiter, die alle in bestimmte Gebiete verteilt waren. Im Kollektiv Huy und Harz waren wir etwa 20 Mann. Bei meiner späteren Dienstelle in Halle hatte ich dann 7-8 Kollegen.

Lisa: Wo waren die Einsätze?
Gerd M.: Wir hatten nur Einsätze in Sachsen-Anhalt, da jedes Bundesland seine eigenen Mitarbeiter hat.

Lisa: Von wann waren die Bomben?
Gerd M.: Sie waren von 1941-45, also aus dem zweiten Weltkrieg. Von den tausenden Bomben, die gefallen sind, waren mindestens 20% Blindgänger. So kann man sich vorstellen, wie viele Blindgänger noch irgendwo in der Erde liegen.

Lisa: Woher wussten Sie, wo die Blindgänger liegen und wie war Ihr Arbeitsablauf?
Gerd M.: Nach jedem Bombenabwurf im zweiten Weltkrieg hat das letzte Flugzeug die Abwurfgebiete fotografiert, da die Amerikaner und Engländer wissen wollten, welche militärischen Anlagen sie zerstört haben. Die Fotos haben deutsche Spezialfirmen von den Amerikanern und Engländern aufgekauft und ausgewertet. Auf den entstandenen Karten sieht man neben den Bombentrichtern, die durch die Explosionen entstanden sind, kleine schwarze Löcher, die zeigen, dass der Blindgänger noch in der Erde steckt. Mithilfe dieser Karten haben wir diese verseuchten Gebiete systematisch mit Metalldetektoren abgesucht und Grabungen durchgeführt. Nicht jeder Fund war eine Bombe. Manchmal haben wir auch Feuerlöscher, alte Badewannen oder Fahrräder aus der Erde geholt. Auch vor dem Bau eines neuen Hauses mussten wir kontrollieren, ob Munition in der Erde zu finden war.

Bombenfund in Luppenau | Foto: privat

Lisa: Was war die größte Bombe, die Sie gefunden haben?
Gerd M.: Die größte Bombe war eine 2 Tonnen schwere Luftmine, die wir bei Luppenau gefunden haben. Das war eine Großraumbombe mit mehreren Zündern und ungefähr 1,5 Tonnen Sprengstoff. Ganz Luppenau wurde damals evakuiert. Da sie so schwer war, konnten wir sie nach der Entschärfung nur mit Bagger und Kran bergen.

Lisa: Gibt es besonders gefährliche Bomben?
Gerd M.: Es sind natürlich alle Bomben gefährlich, aber besonders gefährlich sind die Langzeitzünderbomben. Diese Bomben können bei leichten Erschütterungen jederzeit explodieren. Man kann sie nicht entschärfen und daher werden sie immer vor Ort gesprengt.

Lisa: Gab es auch besonders gefährliche Einsätze, bei denen Sie Angst hatten?
Gerd M.: Es sind alle Einsätze gefährlich, doch man weiß, was man macht. Angst hatte ich daher eigentlich nicht, doch einen gewissen Respekt sollte man schon haben.

Lisa: Gab es auch einen Unfall?
Gerd M.: Nein, bei uns ist eigentlich immer alles gut verlaufen, doch in anderen Bundesländern gab es sogar tödliche Unfälle.

Lisa: Wie sollte man sich verhalten, wenn man eine Bombe oder andere Munition findet und wie wird die Bombe entschärft?
Gerd M.: Man sollte zuerst die Polizei anrufen und die Munition auf keinen Fall bewegen. Wenn der Fund eine Bombe oder anderer Munition ist, wird die Polizei dann den Kampfmittelbeseitigungsdienst informieren, welcher dann den Fund freilegt und feststellt, um was für eine Bombe es sich handelt, damit man weiß, wie man weiter vorgehen muss. Nun wird festgelegt, wann die Bombe entschärft werden kann. Zur Sicherheit wird das Gebiet abgesperrt und je nach Höhe der Gefahr ein bestimmter Umkreis bestimmt, in dem alle Gebäude geräumt werden müssen. Außerdem müssen die Strom- und Gasleitungen abgestellt und Züge umgeleitet werden. Dann wird die Munition entschärft, indem immer mindestens zwei Personen die Zünder ausbauen. Die Bombe kann dann zur Verbrennung oder Sprengung abtransportiert werden. Es gibt aber auch transportunsichere Munition, welche vor Ort gesprengt werde muss. Falls diese Munition in der Nähe eines Gebäudes liegt, wird das Gebäude abgesichert und eventuelle Schäden müssen im Nachhinein ausgebessert werden.

Lisa: Würden Sie nochmal als Kampfmittelbeseitiger arbeiten?
Gerd M.: Ja, klar. Ich würde das immer wieder machen. Die Verantwortung ist zwar sehr groß, doch es ist gut zu wissen, dass man durch seine Arbeit den Menschen Sicherheit gibt.

Ich bedanke mich bei Gerd M. für das interessante Interview.

Von Lisa Hennig, Klasse 8b, Käthe-Kollwitz-Gymnasium, Halberstadt