Lernen wie im letzten Jahrhundert

Wolmirstedt • In einer Welt voller Hightech sind nun viele Sachen möglich geworden, die man sich vor einem halben Jahrhundert nicht einmal hätte vorstellen können. Doch am Kurfürst-Joachim-Friedrich Gymnasium (erbaut 1995) in Wolmirstedt merkt man wenig von den neuen Möglichkeiten.

In den meisten Räumen findet man nur normale Kreidetafeln, veraltete Overheadprojektoren und, wenn überhaupt Computer, dann mit dem Betriebssystem Windows XP. Es gibt erst in 6 Räumen Whiteboards und in einigen wenigen Räumen ein paar moderne Beamer. Die zwei PC-Räume mit insgesamt 47 Computern werden meist für den Informatik-Unterricht genutzt. Doch bei einer Anzahl von 942 Schülern und 77 Lehrern reicht diese Technik bei weitem nicht aus.
Meistens müssen die Schüler weiterhin mit ihren Büchern arbeiten, in denen teilweise noch veraltete Daten enthalten sind. Und wenn die Lehrer den Schülern erlauben, mit dem Smartphone im Unterricht zu arbeiten, gibt es kein Schul-W-Lan, in welches sie sich einloggen können. Dadurch ist das schnelle Arbeiten mit dem Internet nicht möglich. Selbst in den Fächern, in denen man mit dem PC arbeitet, ist das Internet mit nur 2.000 Kbits sehr schlecht und langsam.

Frau Petersen, Deutsch- und Geschichtslehrerin am Gymnasium, sagte: „Ich habe mir einen eigenen Schullaptop, einen Beamer und eine schnelle W-Lan-Flat für den Unterricht besorgt. Wenn ich ohne riesigen Aufwand – einen der drei, manchmal nicht funktionierenden mobilen Beamer auszuleihen – modernen Unterricht machen will, geht das gar nicht anders.“ Sie fügte hinzu: „Ich kann mir keinen Finanzbeamten vorstellen, der z.B. um Steuererklärungen zu bearbeiten, einen eigenen Computer kauft. Kinder sind unsere Zukunft und sie müssen zeitgemäß unterrichtet werden.“

Jennifer S., eine Schülerin vom Gymnasium sagt: „Ich hasse es, dass im PCI-Unterricht mein PC immer 5-10 Minuten braucht, ehe er hoch gefahren ist. Außerdem würde ich viel lieber im Unterricht öfter mit meinen Smartphone arbeiten wollen als mit unseren Büchern.“
Doch eine Erneuerung ist schon in Sicht, wie der Schulleiter Herr Koslowski in einem Interview erzählte. Er sagte, dass zum Beispiel die zwei Computerräume, die aber zu 70% für den Informatik-Unterricht genutzt werden, erneuert und ein Schul-W-Lan eingerichtet werden soll. Außerdem sollen die Schüler mit ihren eigenen Tablets und Smartphones im Unterricht arbeiten können.

Durch ein erst vor wenigen Tagen beschlossenes Förderprogramm der Landesregierung von Sachsen-Anhalt könnten diese Vorhaben umgesetzt werden. Dies beinhaltet, dass die Schulen an ein schnelleres Internet angeschlossen werden. Bis 2019 sollen die Maßnahmen umgesetzt sein.
Zur Frage, ob das Kurfürst-Joachim-Friedrich- Gymnasium in das Förderprogramm aufgenommen wird, konnte Herr Koslowski nichts sagen, da es darauf ankommt, ob die Landesregierung unsere Schule schon modern genug findet oder nicht. Nach den Lehrern und Schülern liegt unsere Schule noch weit hinter den neuen technischen Möglichkeiten zurück.
Trotz einiger offener Fragen könnte, wenn diese Erneuerungen wirklich in die Tat umgesetzt werden, das „letzte Jahrhundert“ am Kurfürst-Joachim-Friedrich Gymnasium in Wolmirstedt in naher Zukunft der Vergangenheit angehören.

Von Yasmin Blohberger, Klasse 8c, Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium, Wolmirstedt