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„Man bekommt unglaublich viel Liebe und Barmherzigkeit von den Kindern zurück“ Wie funktioniert das Leben in einer Wohngruppe, wenn die Eltern sich nicht mehr um die Kinder kümmern können? Ein Artikel von Jannik Auerbach.

Wahlitz. Die meisten Kinder wachsen in einer Familie auf, in der sich die Eltern um sie kümmern, sie erziehen und sie versorgen. Doch es gibt auch Kinder, deren Eltern nicht in der Lage dazu sind. Dadurch können bei den Kindern auch Entwicklungsverzögerungen auftreten. Dies äußert sich zum Beispiel in Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen oder in Schulängsten. Manche Kinder haben dann die Möglichkeit, in Wohngruppen betreut zu werden. In Magdeburg-Buckau gibt es für diese Kinder eine Wohngruppe in der Porsestraße, die „Crazy Kids“ heißt. Vanessa Bock arbeitet dort als Erzieherin. In einem Interview beantwortet sie Fragen zu ihrer Arbeit mit den Kindern.

Kinder der Wohngruppe „Crazy Kids“. Fotografin: Vanessa Bock

Warum haben Sie diesen Beruf gewählt?
Frau Bock: Ich kam eigentlich per Zufall zu diesem Beruf, weil eine Freundin von mir dort schon arbeitete und ich mich schon früher für die Arbeit im Kindergarten bzw. den Beruf des Erziehers interessiert habe. Ich habe erst durch ein Praktikum gemerkt, dass es eine sehr schöne Arbeit mit den Kindern ist, die ich vorher so gar nicht kannte.

Welche Voraussetzungen benötigt man für diesen Beruf?
Frau Bock: Um Erzieher zu werden, braucht man einen Realschulabschluss. Wir haben bei uns im Team allerdings auch Sozialpädagogen, die ihr Abitur gemacht und dann soziale Arbeit oder Erziehungswissenschaften studiert haben.

Wie sind Ihre Arbeitszeiten?
Frau Bock: Ich arbeite dort in Schichten, d. h. bei uns gibt es einen Tagdienst und einen Nachtdienst. Der Tagdienst arbeitet meistens von 12.00 Uhr bis 20.00 Uhr. Der Nachtdienst kommt meistens um die Mittagszeit (ca. 13.00 Uhr) und arbeitet dann bis zum nächsten Tag um 9.00 Uhr.

Wer arbeitet noch in Ihrem Beruf?
Frau Bock: Ich arbeite als Erzieher dort. Wir haben aber noch studierte Sozialpädagogen, die mit uns im Erzieher- und Betreuerbereich arbeiten sowie einen Teamleiter im Team.

Wie lange sind Sie schon in ihrem Beruf tätig?
Frau Bock: Ich arbeite seit Mai 2017 dort.

Was sind Ihre Aufgaben?
Frau Bock: Wir betreuen die Kinder den ganzen Tag über und machen alle Aufgaben, die die Eltern normalerweise übernehmen, d. h. wir gehen mit den Kindern zum Arzt, bringen sie zur Schule bzw. zum Kindergarten und bieten nachmittags auch Betreuung an. Das sind zum Beispiel kleine Spiele und Unternehmungen.

Wie funktioniert eine Wohngruppe?
Frau Bock: Wie ich eben schon gesagt habe, so ähnlich wie eine Familie, nur dass sich die Eltern abwechseln. Wir stehen morgens ganz normal auf, gehen in die Kita, gehen in die Schule und treffen uns am Nachmittag wieder in der Wohngruppe, um Sachen zu machen oder Dinge zu erledigen, wie Arztbesuche. Abends gehen wir dann zusammen ins Bett und der Nachtdienst schläft dann natürlich auch dort.

Wie alt sind die Kinder?
Frau Bock: Unsere Kinder sind im Alter von 3 bis 13 Jahren.

Warum sind die Kinder dort?
Frau Bock: Die Kinder sind dort aus ganz unterschiedlichen Gründen. Aber meistens haben die Eltern Hilfe beim Jugendamt gesucht, weil sie Probleme in der Erziehung hatten oder die Kinder in ihrem Verhalten schon auffällig wurden. Die Kinder werden dann freiwillig zu uns in die Wohngruppe geschickt, damit viele Sachen verbessert werden und auch die Eltern ihr Leben erst einmal ordnen können.

Fahren Sie als Wohngemeinschaft weg?
Frau Bock: Wir machen auch zu den Ferien ganz normal Urlaub. So fahren wir in den Sommerferien für zehn Tage mit den Kindern zum Beispiel an die Ostsee. Im letzten Jahr waren wir im Emsland und auch in den Winterferien fahren wir in den Skiurlaub oder zum Wandern.

Gibt es in ihrer Wohngemeinschaft therapeutische Angebote?
Frau Bock: Ja, zum Beispiel gibt es bei uns das therapeutische Reiten. Wir haben in Emringen einen kleinen Reiterhof mit einer Frau, die eine therapeutische Ausbildung gemacht hat und Pferdewirtin ist. Sie macht Therapien mit den Kindern. Das heißt, sie verbringt dort stundenweise Zeit mit ihnen und den Tieren und fördert sie dadurch.

Abschließend erklärt Frau Bock, dass ihr der Beruf sehr viel Spaß macht, da er sehr abwechslungsreich ist. „Man erlebt täglich ganz viele neue Sachen mit den Kindern und bekommt unglaublich viel Liebe und Barmherzigkeit von ihnen zurück, selbst von den Älteren.“ Zur Zeit leben acht Kindern in der Wohngruppe „Crazy Kids“.

Von Jannik Auerbach
Klasse: 8b
„Europaschule“ Gymnasium Gommern