Mein falsches Ich – Transidentität in Deutschland

Mädchen, die Jungen sind, und Jungen, die Mädchen sind. Der Weg zum richtigen Körper ist für manche Menschen hart. Sie fühlen sich in eine falsche Hülle hineingeboren. Dies nennt man Transidentität. Die deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. (kurz DGTI) hat sich zum Ziel gesetzt, die Akzeptanz von Transidenten innerhalb der Gesellschaft zu fördern und deren Diskriminierung entgegenzuwirken. Ich sprach mit Frau Petra Weitzel aus dem Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit in diesem Verein.

Felix: Transidentität und Transvestit werden oft verwechselt. Worin besteht der Unterschied?
Petra Weitzel: Transvestiten kann man ganz einfach von Transidenten unterscheiden. Transidenten empfinden ihr angeborenes Geschlecht falsch. Transvestiten hingegen haben das Bedürfnis, sich als Frau oder als Mann zu verkleiden.

Felix: Wie hoch ist das Leid dieser Menschen?
Petra Weitzel: Sie kämpfen mit Depressionen, sozialer Isolation, mit Ausgrenzung und beruflichen Schwierigkeiten. Sie empfinden sich als Außenseiter. Sie schämen sich für ihre Fantasien. Sie haben Angst, dass ihre Kinder sie ablehnen, wenn sie sich outen, oder dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren. Es ist oft ein langer Prozess, bis diese Menschen rausfinden, wer sie eigentlich sind.

Felix: Wie hoch ist das Durchschnittsalter der Betroffenen?
Petra Weitzel: Das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, tritt sehr früh auf. Oft wissen die Betroffenen zunächst nicht, was mit ihnen los ist. Dank des Internets und der größeren medialen Aufmerksamkeit der vergangenen Jahre suchen sich heutzutage bereits junge Betroffene die notwendige Unterstützung. Noch vor zehn bis fünfzehn Jahren waren die Transidenten, die sich psychologische Unterstützung gesucht haben, sehr viel älter als heute.

Felix: Welche Ursache gibt es für Transidentität?
Petra Weitzel: Es gibt keine Ursache, Transidentität hat es schon immer gegeben. Es gibt Belege in der biblischen Geschichte, sowie in sämtlichen bekannten Kulturen.

Felix: Wenn sich jemand entscheidet eine geschlechtsanpassende OP durchführen zu lassen, wie läuft das ab?
Petra Weitzel: Es wird zunächst eine psychologische Diagnose aufgestellt, also Gespräche werden aufgenommen. Es geht darum herauszufinden, ob es sich wirklich um Transidentität handelt. Wenn diese Frage geklärt ist, folgt der Alltagstest. Die Menschen sollen eine gewisse Zeit in der anderen Rolle leben, um zu schauen, inwieweit sie mit dem anderen Geschlecht zurecht kommen. Ist der Alltagstest geschafft, beantragen die Transidenten die Namens- und Personenstandsänderung beim Amtsgericht. Das Gericht beauftragt dann zwei unabhängige Gutachter, die bescheinigen sollen, dass eine Namens- und Geschlechtsänderung vorgenommen werden kann. Bevor es zur geschlechtsanpassenden Operation kommt, fordert die Krankenkasse einen ausführlichen Bericht vom behandelnden Psychologen. Dort wird dann bestätigt, ob der Alltagstest erfolgreich verlaufen ist und ob das Leiden so groß ist, dass eine Operation unumgänglich ist.

Felix: Wie lange dauert dieser ganze Vorgang?
Petra Weitzel: Man muss ungefähr mit zwei Jahren rechnen. Es ist aber von Fall zu Fall unterschiedlich.

Felix: Ist die heutige Gesellschaft Ihrer Meinung nach genügend über dieses Thema informiert?
Petra Weitzel: Absolut nicht. Die Aufklärung geht auch nicht über die individuellen Biografien sondern über finanzierte Forschung und Aufklärungskampagnen. Dazu fehlt der politische Wille.

Felix: Werden Sie und Ihr Verein ausreichend von der Politik unterstützt?
Petra Weitzel: Nein. Die Politik hört tendenziell lieber auf die Experten aus der Psychologiebranche, die mit den Gutachten ordentlich Geld verdienen. Man hört uns zwar gelegentlich an, es muss aber immer wieder ein Mediziner seine Meinung dazu abgeben. Da Transidentität angeboren ist, ist dass ein Skandal.

Von Felix Kühne, Klasse 8/2, Bismarck-Gymnasium Genthin