Zum Inhalt springen

Theresa Dreher geht in die Klasse 8.3 des Burger Roland-Gymnasiums. Doch wie alle Schüler hat sie die letzten Wochen im Home-Office verbracht. In ihrem Artikel beschreibt sie ihren Alltag in Zeiten der Corona-Pandemie.

“Ab Montag machen die Schulen dicht.”, verkündet mein Musikschullehrer, als er den Bandraum betritt. Sein Gesicht liegt in tiefen Falten und er starrt verzweifelt auf seinen eben geöffneten Laptop. Es herrscht Stille und ein besorgter Blick liegt in der Runde.

Eigentlich war ich sehr erleichtert. “Yeah, endlich schulfrei und etwas weniger Stress!”, dass war mein erster Gedanke. Jedoch sollte sich dieser in den nächsten Wochen ändern. Es dauerte einige Tage, bis ich wirklich auf die derzeitige Situation klar gekommen bin und etwas Struktur in mein jetziges Leben gebracht habe. Lehrer, wie auch wir Schüler, mussten sich auf das Online-Lernen erst einstellen und oft habe ich vergessen meine Aufgaben am festgelegten Datum abzuschicken. Aber jetzt, mit der Zeit, gewöhne ich mich daran.

Um 8:00 Uhr aufstehen, Frühstücken, Sport, Schule, Mittag, Schule, Radfahren, Schule, essen, Amazon Prime: Mein Alltag. An den Wochenenden versuche ich mich mit dem Auffrischen meiner Fähigkeiten an meinen Hobbys zu beschäftigen, und treffe mich einmal in der Woche mit einem Freund. Ja, ein Freund. Ich habe meine sozialen Kontakte stark minimiert und merke jeden Tag mehr, wie sehr mir ein Tratsch unter Freundinnen, ein Kinobesuch mit den Liebsten oder einfach das Mittagessen mit Oma und Opa fehlt.

Die Stimmung ist ruhig. Ich sitze eigentlich die ganze Woche über in meinem Zimmer, oder treibe Sport. Die Momente in der Natur sind die schönsten geworden. Es ist Mittagszeit. Ich schaue aus dem Fenster, auf die kalte, einsame Straße, durch die alle 10 Minuten ein paar Passanten laufen… Der Großteil mit Atemschutzmasken und ein paar sogar mit Handschuhen. Mir ist mal wieder langweilig, obwohl ich noch eine Schulaufgabe beenden müsste. Aber ich öffne nur mein Fenster, stütze mich am Fensterbrett ab, und lasse die pralle Mittagssonne auf mein Gesicht scheinen. Eine kühle Windbrise lässt meine Haare ein wenig wehen, und ich fröstele, jedoch wärmen mich die Sonnenstrahlen gleichzeitig wieder auf. Es ist wunderschön, aber ich fühle mich trotzdem so allein. Die ganzen Aufgaben sind so nervig ohne Unterricht, und ich weiß nicht, wie wir den ganzen restlichen Stoff in diesem Schuljahr noch beenden sollen. Außerdem stellen sich mir so viele Fragen:

Werde ich das Schuljahr wiederholen müssen? Wie wird mein Zeugnis? Werden uns Wochen der Sommerferien gestrichen? Wann können wir endlich wieder in die Schule?

“Theresa!”, ruft meine Mutter von unten. Ich schrecke vom Fensterbrett auf und schließe das Fenster. Dann stürme ich eilig die Treppenstufen hinunter. Meine Mutter steht am Ende der Treppe und hält mir ein Stück Stoff entgegen. “Deine eigene Atemschutzmaske!”, sagt meine Mutter und überreicht mir stolz ihr Kunstwerk. Seit Tagen sitzt sie daran für die ganze Familie Masken zu nähen.

“Danke(?)”, entgegne ich, nehme es ihr ab und gehe wieder auf mein Zimmer. Vor dem Spiegel bleibe ich stehen, und probiere die Maske an. Auf jeden Fall ungewohnt. Minutenlang mustere ich mich im Spiegel. “Muss man jetzt ernsthaft Masken in der Öffentlichkeit tragen? Passiert das gerade wirklich?”

Ich denke, dass diese Zeit zwar nicht unbedingt als “positiv” beschrieben werden kann, jedoch hab ich persönlich gemerkt/gelernt, dass man jeden Tag und Moment mit Freunden und Familie genießen sollte und ich weiß, dass ich die kommenden Treffen viel mehr wertschätzen werde als früher, weil es da halt einfach viel zu selbstverständlich für mich war. Außerdem werde ich die Schule, Lehrer und vor allem richtigen Unterricht nie wieder hinterfragen oder wegwünschen.

Ich hab mich noch nie so auf Schule und meinen normalen Alltag gefreut! Vielleicht können wir ja am 4.5. wieder zur Schule. Dann hoffe ich einfach, nicht noch eine weitere Pandemie miterleben zu müssen. Aber wer weiß, wann die jetzige mal endet?

Von Theresa Dreher
Klasse: 8.3
Burger Roland-Gymnasium