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Nicht weit von Magdeburg entfernt liegt das alte Ringheiligtum Pömmelte, eine Kultstätte, die vor über 4.000 Jahren von den Menschen besiedelt und für Rituale genutzt wurde. Archäologen haben diesen Ort erforscht und wieder aufgebaut. Ein Artikel von Jonathan Elfert aus der Klasse 8c der „Europaschule“ Gymnasium Gommern.

Es ist das Ende der Erntezeit, der Mond steht im letzten Viertel des Himmels. Die Sterne am wolkenlosen Himmel sind stille Beobachter dieser wichtigen Zeremonie. Die Sonne war mal wieder gnädig mit der Ernte, die Vorratskammern sind prall gefüllt mit Emmer und Einkorn. Jedes Jahr zu dieser Zeit versammeln sich die Menschen an diesem rituellen Ort, wo kunstvoll gestaltete Pfähle nach einem besonderen Muster im Kreise aufgereiht sind. Die Sonne, der Mond und die Sterne waren die Hinweisgeber für die richtige Bauweise. Freudige Spannung liegt in der Luft und die Augen der Teilnehmenden leuchten vor Freude und Glück. Für eine junge, hübsche Frau mit golden schimmernden langen Haaren ist der wichtigste Tag in ihrem Leben gekommen. Eingehüllt in extra für diesen Tag angefertigte Kleider und frisch duftend, darf sie das Geschenk an die Sonne, für die prächtige Ernte sein. Sie kann es kaum erwarten wieder in das unendliche Sein einzutauchen, aus dem sie kam. Trommeln ertönen im gleichmäßigen Klang um die Geister zu rufen, die sie abholen werden. Immer lauter und rhythmischer werden die Töne. Dazu tanzen Männer mit verzierten Gesichtern und Körpern eingehüllt in Leder und Fell. Auf dem Kopf tragen sie Hüte aus buntverzierten Hörnern. Die Stimmung wird magisch und zieht die Teilnehmenden in eine Trance, um sich mit allem was ist zu verbinden. Der Anführer überreicht ihr einen Kupferbecher mit einem Getränk aus Wein und Fliegenpilz, dass sie feierlich zu sich nimmt. Kurze Zeit später verlässt ihr Geist unter großem Jubel diese Erde. Ihr Körper wird feierlich der Erde übergeben mit Dankesgaben in Form von Waffen, Gefäßen und Schmuck. Sie hoffen, dass sie dem Himmel, der Sonne und dem Mond aufrichtige Dankbarkeit entgegengebracht haben, damit auch die nächste Ernte so reich ausfallen wird, denn davon hängt das Überleben aller in ihrem Dorf ab.

So, oder so ähnlich könnte ein Erntedankritual vor über 5000 Jahren im Ostteil des Ringheiligtums Pömmelte ausgesehen haben. Tatsächlich gab es in dem, 4000 v.Chr erbautem Ringheiligtum, für knapp 400 Jahre Menschenopfer. Das Ringheiligtum ist ein einzigartiger Beleg für vorgeschichtliche Sakralbauten. Dieser Ort gibt Einblick in die Geisteswelt während des Epochenwandels von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit. In dem 1991 entdeckten Bauwerk, sah man wohl einst ein Abbild des Kosmos, in dem die Menschen Kontakt zu den Naturkräften aufnahmen. Bei mystischen Ritualen wurden hier unter anderem Trinkgefäße aus Keramik zerbrochen und der heiligen Erde übergeben.

Ringheiligtum Pömmelte, das deutsche Stonehenge?
„Diese einzigartige Ringanlage ist ebenso besonders wie Stonehenge, nur dass in Pömmelte alles aus Holz war und daher vergangen ist“, ist sich der Archäologe Spatzier sicher. In Größe, Aufbau und Funktion glich das Ringheiligtum Pömmelte dem englischen Stonehenge. Das Ringheiligtum in Pömmelte bestand jedoch nicht aus großen Steinen, sondern aus Tausenden von Holzpfählen. Beide Anlagen entstanden am Ende der Steinzeit.

„Die Geschichte ist der beste Lehrer mit den unaufmerksamsten Schülern“ Indira Gandhi

Von Jonathan Elfert
Klasse: 8c
„Europaschule“ Gymnasium Gommern

 

Quellen: