Mobbing in der Schule „Ich bin im Unterricht aufgestanden, hab mich geritzt und niemanden hat es interessiert.“

Es ist der Alltag an unzähligen Schulen weltweit – Mobbing. Emma Schröder aus der 9b des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums hat sich mit dem ernst zu nehmenden Thema beschäftigt.

Als Mobbing bezeichnet man das körperliche oder seelische Quälen von Mitmenschen. Foto: Pixabay

Als Mobbing bezeichnet man das wiederholte körperliche oder seelische Quälen und Schikanieren von Mitmenschen. Mobbing ist nicht nur an Schulen, sondern auch am Arbeitsplatz verbreitet. Die über einen längeren Zeitraum auftretende Schikane anderer Personen kann verschiedene Gründe haben. Oftmals sind es ganz banale Gründe, weswegen ein Mensch, oftmals ein Schüler, gemobbt wird.

Dinge wie die „Neue“ in der Klasse zu sein, keine Markenklamotten zu tragen oder Eifersucht können Gründe für Mobbing sein. Allein 20% aller Selbstmordfälle werden durch Mobbing ausgelöst. Laut der Süddeutschen Zeitung von 2010 ist fast jeder dritte Schüler an weiterführenden Schulen schon einmal von seinen Klassenkameraden beleidigt oder schikaniert worden. Körperlicher Gewalt in der Schule fällt circa jedes dritte Kind zum Opfer. Laut einer Studie der Leuphana Universität in Lüneburg sehen sich allerding auch 37,2% der Kinder und Jugendlichen als Mobbing-Täter. Von Mobbing Betroffene ziehen sich sehr häufig zurück und reden nicht über ihre Probleme.

Wie lässt sich trotzdem herausfinden ob jemand gemobbt wird?
Auch wenn die Kinder gar nichts sagen, können die Eltern herausfinden, ob ihr Kind gemobbt wird oder nicht. Sie müssen nur die Signale richtig deuten. Häufig fängt es mit fehlenden Stiften, Heftern oder weiteren kleinen Dingen an und verschlimmert sich mit der Zeit so stark, dass teilweise auch Handys oder Fahrräder geklaut werden. Wenn sich die Kinder in ihrer Freizeit nie mit anderen treffen oder bei Gruppenarbeiten immer alleine sind, sollten die Eltern hellhörig werden. Auch dies können Anzeichen für Mobbing oder eine Ausgrenzung des Kindes sein.

„Ich bin im Unterricht aufgestanden, hab mich geritzt und niemanden hat es interessiert.“ so beschreibt es die 16 jährige Larissa in einem Fernsehinterview.
Larissa wurde schon seit der Grundschule gemobbt und musste aufgrund des starken Mobbings sogar von dem Gymnasium auf eine Realschule wechseln, da durch das Mobbing auch ihre Noten rapide schlechter geworden sind. Zum Zeitpunkt des Drehs mit „Taff“ besuchte sie die 10. Klasse einer Realschule in Süddeutschland. Sie wird wegen ihres Aussehens gemobbt, denn sie hat blaue Haare, trägt dunkle Klamotten und hat Piercings. Täglich wird sie als „Emo“ beschimpft und muss sich Sachen wie „Geh dich vergraben“ und „Scheiß Emo“ anhören. Sie leidet sehr unter dem täglichen Terror. Allein der Weg zur Schule ist für Larissa eine riesige Qual, denn das Mobbing beginnt selbst an der Bushaltestelle, wo sie rumgeschubst wird, sich Lästereien hinter ihrem Rücken und Beleidigungen anhören muss. Schon mehrfach wurde die Schülerin die Treppe runtergeschubst oder geschlagen. Niemanden scheint es zu interessieren, wie es ihr dabei geht. Das geht sogar soweit, dass Larissa im Unterricht aufgestanden ist, ihr Taschenmesser aus dem Ranzen geholt hat, auf Toilette gegangen ist und sich dort geritzt hat. Mit blutüberströmten Armen ist sie wieder in die Klasse gegangen. Niemand hat sie darauf angesprochen. Nicht einmal die Lehrer haben sie auf ihre aufgeschlitzten, blutigen Arme angesprochen oder sie gefragt, ob alles in Ordnung sei. Es ist echt traurig, dass ein Mensch sich sichtbar selbst verletzt, weil andere Menschen ihn fertig machen und dass dieser Schrei nach Aufmerksamkeit nicht gehört wird, da es auch die Lehrer sichtlich nicht interessiert. Selbst bei dem Dreh des Fernsehteams verweigern die Lehrer darüber zu reden.

Aber warum reden die Lehrer nicht über solche schwerwiegende Probleme?
Laut der Expertin für Schulpsychologie Maren Thurner liegt das Schweigen der Schulen daran, dass die Schulen und Lehrer rechtlich gesehen nicht viel öffentlich sagen dürfen. Außerdem schweigen sie, weil sie die Beteiligten schützen wollen. Das heißt sowohl das Opfer, als auch den oder die Täter und alle weiteren Beteiligten.

Meiner Meinung nach ist es wichtig über solche Dinge offen zu sprechen und den Betroffenen die Möglichkeit zu geben den anderen, vor allem den Tätern, zu zeigen, wie es sich anfühlt so behandelt zu werden. Dabei sollen die Betroffenen nicht die Täter zurück mobben, sondern ihnen helfen sich in ihre Lage hineinversetzen zu können. Ich finde es wichtig, dass zukünftig mehr über Mobbing gesprochen wird, da es immer noch ein schwerwiegendes Problem an zahllosen Schulen, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit ist.

Von Emma Schröder
Klasse: 9b
Gerhart-Hauptmann-Gymnasium Wernigerode

Quellen:

  • Taff: https://youtu.be/JQFGD5xCNbU
  • https://www.schueler-gegen-mobbing.de/mobbing-in-der-schule/