Nur ein wenig helfen und die Welt ein Stück besser machen

Nicole Grondei ist Bereitschaftspflegemutter. Mit der Drübeckerin sprach Leonie Grondei.

Leonie: Ich habe über die Bereitschaftspflege recherchiert und es kommt nicht oft vor, dass jemand so etwas macht. In Bereitschaftspflege wird ein Kind in der Regel dann untergebracht, wenn es unvorhersehbar und kurzfristig aus seiner Familie genommen werden muss – zum Beispiel, wenn es dort durch eine akute Krise gefährdet ist. Dieser Zeitraum dient zur Klärung über die weitere Perspektive des Kindes, Rückführung zu den Eltern oder Unterbringung bei Dauerpflegeeltern. Wie sind sie darauf gekommen?
Nicole Grondei: Ich wollte immer gern anderen Menschen helfen, denen es nicht gut geht. Besonders Kinder liegen mir am Herzen. Da meine Kinder selbstständig sind, habe ich nun die Zeit, durch die Bereitschaftspflege anderen Kindern in Not zu helfen. Grundvorrausetzung ist, dass man keiner Berufstätigkeit nachgeht.

Leonie: Dieses bringt ja sicherlich viele Veränderungen in den Familienalltag. Wie reagierten ihr Mann und die Kinder darauf?
Nicole Grondei: Bevor wir den Schritt gegangen sind, haben wir uns alle an einen Tisch gesetzt und geredet. Was bringt das Pflegekind für Veränderungen mit sich? Wie kommen wir alle mit der emotionalen Belastung klar? Können wir wieder von dem Kind beim Abschied loslassen? Wie viel Zeit bleibt dann noch für meine eigenen Bedürfnisse?

Leonie: Irgendwann ging es ja dann los und ihr erstes Pflegekind ist eingezogen. Wie war das?
Nicole Grondei: Ich habe um 10 Uhr einen Anruf bekommen, ob wir ein Pflegekind aufnehmen wollen. Natürlich habe ich direkt zugesagt. Um 13 Uhr habe ich einen kleinen Mann in Empfang genommen. Der Tagesablauf änderte sich komplett. Er blieb 8 Monate in unserer Familie, was für Bereitschaftspflege sehr lange ist. Im Durchschnitt dauert sie bis zu einem halben Jahr. Dadurch fiel der Abschied unserer ganzen Familie sehr schwer.

Leonie: Besteht noch Kontakt zu dem Pflegekind?
Nicole Grondei: Ja, wir haben engen Kontakt und können den Kleinen besuchen. Es ist sehr schön zu sehen, wie er sich weiter entwickelt. Nicht immer ist es so.

Leonie: Was ziehen sie Positives für sich aus der Bereitschaftspflege?
Nicole Grondei: Die Kinder geben einem so viel zurück. Meist haben sie keine Liebe und Zuwendung erfahren. Sie kommen in eine Familie, in der sie nicht nur Liebe und Geborgenheit erleben, sondern alltägliche Sachen wie regelmäßiger Tagesablauf, Essen etc. erfahren. Meistens kennen die Kinder dieses nicht. Gerade meine eigenen Kinder wurden damit konfrontiert und wissen nun, ihr Leben, wie es ist, mehr zu schätzen.

Leonie: Und negative Aspekte?
Nicole Grondei: Es ist nicht einfach, Abschied zu nehmen. Das ist glaube das Schwierigste. Auch die Schicksale der Kinder sind teils sehr belastend. Aber dieses ist auch unsere Motivation, weiterzumachen.

Foto: Leonie Grondei

Nicht für jedes Kind ist die Zukunft klar. | Foto: Leonie Grondei

Leonie: Gibt es für die Bereitschaftspflege einen finanziellen Ausgleich?
Nicole Grondei: Ja, es gibt einen finanziellen Ausgleich. Dieser ist aber sehr gering.

Leonie: Die Situation mit Pflegekind ist ja sehr ungewöhnlich und eine Herausforderung. Können sie irgendwo ihre Erfahrungen austauschen und Rat und Hilfe bekommen?
Nicole Grondei: Ja, es gibt im Bereich Wernigerode einen aktiven Verein, wo man immer Ansprechpartner findet. Vom Verein werden Fortbildungen organisiert, aber auch Ausflüge, Treffen und Weihnachtsfeiern.

Leonie: Was ist ihr Fazit?
Nicole Grondei: Wenn jeder Mensch in dieser Welt ein kleines bisschen Gutes tut, egal ob anderen Menschen, Tieren oder der Umwelt hilft, würde es die Welt besser machen!

Leonie: Danke für das Interview!

Von Leonie Grondei, Klasse 8e, Gymnasium Stadtfeld, Wernigerode