Schach – ein Sport, der den Geist fit hält

Spaziert man in Halberstadt durch die Altstadt, kommt man in der Gröperstraße am Haus Nummer 23 vorbei. Wie man schon von außen unschwer erkennt, ist hier der Sitz des Schachvereins Einheit Halberstadt, der 50 aktive Mitglieder zählt. Wöchentlich treffen sich Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren, um dem jahrtausendalten, vermutlich aus Indien stammenden königlichen Brettspiel nachzugehen. Generationsübergreifend Spaß zu haben ist in Zeiten von Handy- und Computeraktivitäten nicht selbstverständlich. Doch worin besteht die Faszination, die Jung und Alt gleichermaßen in ihren Bann zieht? Es ist die Herausforderung mittels taktischer Überlegungen und Kombinationen den Gegner zu bezwingen und „Matt“ zu setzen. Dabei geht es immer auch um vorausschauendes Handeln, Logik und Konzentration, denn ein gutes Spiel kann bei gleichstarken Gegnern mehrere Stunden dauern. Die hier trainierten Fähigkeiten sind auch im Schulalltag von Bedeutung. Zu diesem Thema habe ich Frau Kliefoth, Gymnasiallehrerin für Mathematik, Chemie und Schach am halberstädter Käthe-Kollwitz-Gymnasium sowie Mitglied im Schachverein befragt.

Robin Delgado: Frau Kliefoth, warum sollten sich Kinder und Jugendliche mit dem Schachspiel beschäftigen?
Frau Kliefoth: Schach ist interessant und man lernt spielend, jeder auf seinem Level. Es fördert die Fähigkeiten des planenden und strukturierenden Denkens. Man muss ruhig und überlegt handeln, um einen Vorteil zu erlangen. Mut und Kreativität spielen dabei eine wichtige Rolle. Aber auch ein verlorenes Spiel hat einen hohen Nutzen, da nach einer Analyse und Selbstkritik der Spieler lernt, Verantwortung zu übernehmen, seine Fehler erkennt und somit immer stärker wird.

Robin Delgado: Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen dem Schachspielen und verbesserten schulischen Leistungen?
Frau Kliefoth: Ich gehe davon aus, dass regelmäßiges Schachspielen das Denken vernetzt sowie die Konzentrationsfähigkeiten entwickelt. Es wirkt sich somit positiv auf Sprachen und mathematisches Problemlösen aus. Außerdem gibt es mehrere Studien, die dies belegen. So bieten Grundschulen in Trier und Hamburg einmal pro Woche Schach statt Mathe an. Im Ergebnis zeigten die Schachklassen bessere Leistungen in Deutsch, Englisch und Mathe, obwohl sie eine reguläre Mathestunde weniger hatten. Auch wurden dabei positive Veränderungen im räumlichen Vorstellungsvermögen von Kindern festgestellt.

Robin Delgado: Welchen Nutzen für das weitere Leben können Kinder und Jugendliche aus diesem Spiel gewinnen?
Frau Kliefoth: Schach bedeutet, sich auf einen Gegner einzustellen und mit ihm zu messen. Wie bei jeder anderen Sportart wirkt sich ein gewonnenes Spiel positiv auf das Selbstwertgefühl aus. Aber auch nach einem Verlieren neue Kraft zu schöpfen, sich nicht entmutigen zu lassen und beim nächsten Mal mit neuer Motivation heranzugehen sind soziale Kompetenzen, die in allen Bereichen für das weitere Leben nützlich sind. Außerdem fördert dieses Spiel besonders Schüler, die Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen haben. Ruhe und Konzentration sind notwendig, um erfolgreich zu sein, ehrliche Selbsteinschätzung ebenfalls. Und letztendlich verlernt man Schach nie! Pausen von Wochen, Monaten oder Jahren sind möglich. Man spielt mit Jungen und Alten, Mädchen und Jungen, Ausländern und Deutschen. Die Sprache des Schachs ist international. Hinzu kommt noch, dass Einzel- oder Mannschaftskämpfe möglich sind.

Vielen Dank, Frau Kliefoth, für das interessante Interview.

Halberstädter Schachverein | Foto: Robin Delgado

Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte donnerstags ab 17.00 Uhr zum Verein kommen, um seine schachlichen Fähigkeiten zu testen und zu trainieren. Herzlich willkommen!

Von Robin Delgado, Klasse 8b, Käthe-Kollwitz-Gymnasium, Halberstadt