„Summ, summ, summ! – Bienchen summ herum!“

Bienen sind viel mehr als nur Honiglieferanten. Das weiß auch Jannes Andres, Schüler des Gerhart-Hauptmann-Gymnasium aus Wernigerode.

Eine Honigbiene sammelt den Nektar aus der Blüte. Foto: Pixabay

„Willst du Gottes Wunder seh`n, musst du zu den Bienen geh`n“, so heißt es in einem alten deutschen Sprichwort und dieses ist nicht ganz unbewusst gewählt. Unsere Bienen sind wirklich ein großes Wunder, denn sie sind die exaktesten Baumeister der Welt, sie navigieren nach einer inneren Landkarte, unterscheiden Hunderte von Düften und leisten Großartiges für uns und unsere Erde.

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ Dieses Zitat geht angeblich auf Albert Einstein zurück. Aber egal – wer auch immer dieses Zitat zum Besten gab, er sprach über ein Insekt, das die meisten von uns nur als Honiglieferanten betrachten. Ihr Dasein ist aber von weit größerer Bedeutung. In unserem Ökosystem spielen sie eine ausschlaggebende Rolle, da sie die Bestäubung von Abermillionen Blüten – an Obstbäumen, in Gemüsegärten, auf Wiesen, Feldern und in Wäldern – übernehmen. Auch ist die globale Nahrungsmittelproduktion zu einem Drittel von Biene, Hummel und Co. abhängig. Sie sind Dienstleister der biologischen Vielfalt und nach Rind und Schwein unser drittwichtigstes Nutztier. Die blütenreichen Nahrungsquellen der Bestäubungsinsekten werden jedoch aufgrund dichter Bebauungen in den Städten immer geringer. Zudem machen die Monokulturen in der Landwirtschaft den Bienen das Leben schwer. Nur durch Sammeln von verschiedenen Pollen aus Mischkulturen kann das Insekt das Immunsystem ihres Nachwuchses stärken und dieser ist dadurch weniger anfällig für Parasiten. Besonders wichtig ist das für die Honigbiene, da sie sehr häufig durch die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe befallen wird. Hinzu kommt der häufige Einsatz von Pestiziden. Die Gifte töten nicht nur die Schädlinge, sondern auch viele Bienen. Da bestimmte Pflanzenarten spezialisierte Bestäuber benötigen, nimmt durch das Bienensterben die Vielfalt der Pflanzenarten ab und damit auch die Vielfalt unserer Lebensmittel.

Nicht umsonst machen sich deshalb immer mehr Menschen Gedanken, wie sie dem Bienensterben entgegentreten können. Dies kann sowohl durch das Säen bienenfreundlicher Pflanzen geschehen als auch durch den Verzehr von Honig aus der eigenen Region, durch Verzicht auf Pestizide, durch das Bevorzugen saisonaler Lebensmittel aus regionalem Anbau oder durch das Anbieten von Nistmöglichkeiten für Wildbienen.

In Zeitungen und Broschüren werden seit geraumer Zeit Aufrufe gestartet, um zum Beispiel Blühwiesen anzulegen. Auch immer mehr Kindertagesstätten und Schulen in und um Wernigerode folgen diesem Aufruf. Einige Einrichtungen führen sogar Bienen- und Imkerprojekte durch. So zum Beispiel die Grundschule Harzblick mit ihrer Schulimkerei „Bienenstark im Harzblick“. Dieses Projekt findet in Kooperation mit der Schulsozialarbeiterin Frau Truthmann, der Hortleitung Frau Buch, dem Schulleiter Herrn Möx und dem Erlebnis- und Wanderimker Enrico Kretschmar statt. Letzterer steht als fachkundiger Berater und Unterstützer den Junior-Imkern zur Seite.
Begonnen hat alles im Jahr 2017. Hier haben die damaligen Drittklässler sich im Unterricht viel mit Bienen beschäftigt und sogar ein Buch darüber verfasst. Im Mai 2018 bekamen sie dann zwei Bienenvölker geschenkt und stellten diese im nahe gelegenen Bürgerpark auf. Seitdem betätigen sich die kleinen Imker einmal wöchentlich in ihrer Bienen-AG. Zu ihren Aufgaben gehört neben dem Schleudern von Honig auch das Verarbeiten des Bienenwachses. Aus diesem werden Kerzen gegossen, Frischhaltetücher in Verbindung mit Baumwollstoffen hergestellt und neuerdings auch Salben mit verschiedenen Ölen und Aromen ausprobiert. Ende Januar 2019 fielen leider die Bienenvölker samt ihren Behausungen, Beuten genannt, dem Vandalismus zum Opfer. Darüber wurde ausführlich in Rundfunk und Presse berichtet, woraufhin es spontane Spendenaktionen gab. Unter anderem von Berufsschülern der Oskar-Kämmer-Schule, die den Betrag in Höhe von 50,71 Euro der Grundschule übergeben konnten. Von den Mitgliedern der Stadtratsfraktion CDU/Haus und Grund erhielt die Bienen-AG sogar eine Spende über 1000 Euro. Die Freude war riesig und die „Harzblickbienen“ gaben zu verstehen, dass sie sich nicht unterkriegen lassen. Von dem Geld wollen sie sich nun drei neue Bienenvölker und Beuten anschaffen. Es summt also bald wieder im Harzblick!

Aber nicht nur hier soll es summen, sondern überall – in der Stadt, auf dem Land, im Feld und im Wald. Wir müssen also die Menschen dazu anhalten, alles dafür zu tun, dass Biene, Hummel und Co. weiterhin unser Ökosystem am Laufen halten. Schließlich wollen wir in späteren Jahren nicht nur das Volkslied „Summ, summ, summ!“ von Heinrich Hoffmann von Fallersleben unseren Kindern vorsingen, sondern wir möchten es gemeinsam mit ihnen, auf der Wiese liegend, erleben.

 

Von Jannes Andres
Klasse: 9b
Gerhart-Hauptmann-Gymnasium Wernigerode

 

Jannes Andres belegte mit seinem Artikel den 2. Platz im SchmaZ-Wettbewerb.

 

 

Quellen:

  • YouTube „Bienensterben in 3 Minuten erklärt“, 16.03.2019
  • https://www.bienenretter.de>hilf-den-bienen, 16.03.2019
  • Broschüre „StadtGrün naturnah – Wernigerodes Grüne Lebensqualität – Blühwiesen,
  • lebendige Gewässer und Co“, veröffentlicht im Januar 2019
  • Harzer Volksstimme, Artikel „Im Harzblick summt es“ von Regina Urbat, 28.02.2019
  • Broschüre „Bienen – eine Wunderwelt“, Herausgeber: Landesverband Bayerischer Imker e.V. und Deutscher Imkerbund e.V.