Ostsee-Feeling im Klärwerk Gerwisch

Redaktioneller Beitrag: Acht Schüler aus Magdeburg und Gommern erkunden im Rahmen von „SchmaZ“ den Weg des Abwassers im Klärwerk Gerwisch. Ermöglicht wurde der Besuch von der SWM.

Niels Götzel, Marc Dreyer (Albert-Einstein Gymnasium Magdeburg, 8/4) und Rebecca Rosenbaum (Europaschule Gymnasium Gommern, 8a), Foto Juliane Thomas

Möwengeschrei und der Geruch von Algen – das gibt es doch eigentlich nur am Meer. Weit gefehlt, einen Hauch von Urlaubsgefühlen erhaschten am Donnerstag insgesamt acht Schüler vom Albert-Einstein Gymnasium Magdeburg und von der Europaschule Gymnasium Gommern. Im Rahmen vom Volksstimme-Projekt „SchmaZ – Schüler machen Zeitung“ durften die Hobby-Journalisten das Klärwerk in Gerwisch besuchen – und nahmen ungewöhnliche Eindrücke mit nach Hause. Ermöglicht wurde der Besuch von den Städtischen Werken Magdeburg (SWM).

Doch fangen wir vorn an: Matthias Regener, Gruppenleiter Anlagenbetrieb, empfängt die Schüler bei strahlendem Sonnenschein im Betriebsgebäude der Anlage am Ortsrand. Die Führung beginnt mit leichtem Verzug, da einer der Schüler das Klärwerk zunächst in der Lostauerstraße im benachbarten Biederritz gesucht hat. Die Wartezeit vertreiben sich die bereits Anwesenden mit Small-Talk. Matthias Regener findet heraus, dass die 14-Jährigen die unterschiedlichsten Schulfächer mögen. Kunst und Sport liegen hoch im Kurs, aber auch Geschichte, Mathe und Chemie. „Einiges davon könnt ihr hier gut gebrauchen. Vor allem die Naturwissenschaften. Ein bisschen Kunst gibt es auf unserem Gelände aber auch“, erklärt Regener und spricht damit die großen Faultürme an, die wie gigantische Eier aus dem Boden ragen und von einem Architekten designt wurden. Nach 15 Minuten warten, ist die Gruppe vollständig und es kann losgehen.

Notizblock vs. Smartphone

Das Klärwerk, so wie wir es heute kennen, feiert in diesem Jahr 20-jähriges Jubiläum. Matthias Regener gibt den Schülern gleich die ersten Zahlen mit auf den Weg: Es sei für 426.000 Menschen gebaut worden. Aktuell lande dort das Abwasser aus Magdeburg und 21 Orten im Umland. Die Auslastung läge bei 95 Prozent. „Ein paar mehr Einwohner dürften es also noch werden“, erklärt er. Einige der Schüler zücken die Notizblöcke und schreiben direkt mit. Vor allem die Jungs sind eifrig dabei. Die vier Mädchen erklären, dass sie sich die Sachen merken könnten und wenn nicht „dann tippen wir die Infos in unser Smartphone“, sagt eine von ihnen lachend.

Gut für das Abwasser, schlecht für die Nase

Die groben Reste gehen anschließend in die Müllverbrennungsanlage.

Die groben Reste gehen anschließend in die Müllverbrennungsanlage.

Was folgt ist eine Tour durch die drei Stufen der Abwasserreinigung. Alles beginnt mit der mechanischen Reinigungsstufe. Regener öffnet die Tür zur sogenannten Rechenhalle. Stöhnen, quieken, verzerrte Gesichter und Schals vor den Mündern – ja, in der Halle stinkt es gewaltig. „Aber es ist noch keiner gestorben“, sagt der Führer und kann sich das Schmunzeln nicht verkneifen. „Die Rechen fischen hier grobe Stoffe aus dem Abwasser – die wandern dann direkt in die Müllverbrennungsanlage.“ Erleichterung als es nach wenigen Minuten weiter geht zu den Sandfiltern und zu den Vorklärbecken – die sind nämlich an der frischen Luft.

Baden lassen wir lieber sein

Dahinter erstreckt sich das „Herzstück der Kläranlage“, wie Regener die biologische Reinigungsstufe liebevoll nennt. Marc Dreyer (14) aus Magdeburg staunt: „Hier hängen ja überall Rettungsringe.“ Das sind Sicherheitsvorkehrungen, falls aus Versehen jemand in eines der Becken fällt. Vom vielen Wasser sind vor allem die Teilnehmerinnen angetan. Einige fantasieren, wie schön es wär, jetzt baden zu gehen. Dem kann Regener nicht zustimmen, schließlich ist das Wasser an dieser Stelle noch ziemlich schmutzig. „Die Mikroorganismen müssen erst einmal ihre Arbeit tun und die gelösten organischen Schmutzstoffe im Abwasser abbauen.“ Ist das getan, geht es weiter zu den vier großen runden Nachklärbecken, in denen das gereinigte Abwasser vom Schlamm getrennt wird. Marc, der eifrig Notizen macht, stellt fest: „Laufen und schreiben ist ganz schön schwer. Hoffentlich kann ich das nachher noch lesen.“ Über den Becken mit dem gereinigten Wasser kreischen und kreisen unzählige Möwen. Die Schüler gucken verwundert. Niels Götze (14) aus Magdeburg stellt fest: “Es riecht hier irgendwie nach Algen“ – und Rebecca Rosenbaum (14) aus der 8a der Europaschule Gymnasium Gommern, ergänzt: „Es riecht nach Urlaub an der Ostsee.“ Wer also keine Zeit für einen Strandurlaub hat, macht eben eine Führung durch das Klärwerk Gerwisch – ein Hauch Ostsee-Feeling ist da inklusive.

Tipp: Am 14. September 2019 feiert das Klärwerk den 20. Geburtstag des Klärwerkneubaus mit einem Tag der offenen Tür.

Die SWM Magdeburg ermöglichen Schülerinnen und Schülern im laufenden Projektjahr nicht nur einen Blick hinter die Kulissen des Abwasserpumpwerks Nord, sondern auch auf die beruflichen Perspektiven bei der SWM, einen Stadionbesuch beim 1. FC Magdeburg, eine Führung durch das Klärwerk Gerwisch und andere spannende Themenangebote.

Dieser Termin war ein Angebot des SchmaZ-Partners Städtische Werke Magdeburg.

Text & Fotos von Juliane Thomas, Projektleitung SchmaZ & SchmaZ junior