Tanzen – Macht es wirklich schlau?

Die Antwort darauf ist: ‚Ja‘.

Was bringen denn Tanzkurse?

Diese Frage haben sich schon viele Menschen gestellt. Tanzen trainiert viele wichtige Funktionen im Körper und es senkt laut einer Studie des am Albert Einstein College of Medicine in New York das Demenzrisiko. Also wenn das nicht mal ein Grund dafür ist, das Tanzbein zu schwingen. Doch schon stellt sich die nächste Frage:

Warum trainiert es wichtige Funktionen im Körper?

Nehmen wir das Beispiel- Tangotanzen. Zwei bekannte Hirnforscher, Steven Brown, von der Simon Fraser University im kanadischen Burnaby und Michael Martinez, von der University of Texas in San Antonio, untersuchten unter anderem, welche Hirnregionen beim Tanzen angeregt werden. Sie ließen 10 Amateurtänzer, 5 Frauen und 5 Männer, erst zu Musik Tango-Tanzschritte auf einer an den Füßen angebrachten Platte machen. Dann, in einer 2. Runde, bewegten die Testtänzer willkürlich ihre Beine. Brown und Martinez fanden heraus, dass in beiden Durchgängen, sowohl bei den Frauen, als auch bei den Männern, die motorischen Gehirnregionen aktiv waren. Für alle, die es nicht wissen: Motorisch bedeutet so viel wie ‚Auf Bewegung bezogen‘ oder ‚durch einen Motor betrieben‘. Bei den Tangoschritten, wurde der Teil des Gehirns, welcher  sich Precuneus aktiv. Dieser ist für die Orientierung und den Raumsinn sehr wichtig. Sensoren in Muskeln und Gelenken senden Informationen dorthin, weshalb Wissenschaftler auch von Bewegungssinnen sprechen. Beim Tanzen, schließt der Hirnforscher, ist diese Raumwahrnehmung offenbar besonders ausgeprägt. Wie in der Wissenschaft schon länger bekannt, ist der Bewegungssinn stark mit anderen Hirnfunktionen wie Gedächtnis, Sprache, Lernen und Emotionen verknüpft. „Bewegung beschleunigt das Gehirn zur maximalen Leistung“, so Siegfried Lehrl. Er ist Psychologe an der Universität Erlangen und Experte für Gehirnjogging. Die Studie zeigte auch, warum rhythmische Musik uns dazu bewegt, mit dem Kopf oder Fuß zu wippen. Das Gehirn erkennt einen Rhythmus und bringt ihn in Beziehung zu anderem Wissen. Das bedeutet, je bekannter ein Rhythmus ist, desto stärker wird Bewegung provoziert.

Der sogenannte Kleinhirnwurm (sitzt zwischen den beiden Hälften des Kleinhirns) ist beim Tanzen mit Musik aktiver, als wenn die Musik fehlt, so stellte Steven Brown fest. Diese Hirnregion trägt zur Steuerung des Gleichgewichtssinns bei. Das Gleichgewichtssystem, welches in Innenohr und Kleinhirn sitzt, ist  notwendig für die Verbindung von Bewegung und Rhythmus. Eine These aus dieser Erkenntnis ist, dass Tanzen und Musizieren in der Geschichte der Menschheit zeitgleich entstanden sind, da man zum Tanzen ähnlich komplexe sensorische Fähigkeiten braucht wie zum Erlernen eines Musikinstruments.

Für die Entwicklung des Menschen hat Tanzen im Gegensatz zum Musizieren, eine noch wichtigere Bedeutung: Dir Fähigkeit des Nachahmens wird trainiert. Brown und Martinez fanden heraus, dass wenn man sich vorstellt Walzer zu tanzen, dass das Gehirn selbst dann in den gleichen Regionen arbeitet, wie wenn man tatsächlich Walzer tanzt. Beim Tanzen reicht es aus nur zuschauen, um bestimmte Gehirnregionen zu aktivieren. Das prägt sich noch stärker aus, wenn der Tanz bekannt ist oder wenn man selbst tanzt.

Die Tangotanz-Studie ist jedoch nicht die einzige Studie, die belegt, dass das Tanzen, das Gehirn verändert. Elizabeth Spelke von der Harvard University  fand heraus, dass bei Schulkindern das räumliche Denken ausgeprägter ist, wenn sie tanzen. Das Ergebnis Ihrer Studie: Schulkinder, die regelmäßig tanzten, schnitten in Geometrietests besser ab, als Kinder, die nie oder nur kurzzeitigt getanzt haben. Spelke schließt daraus: „Beim Tanzen werden Gehirnregionen aktiviert, die auch zu geometrischen Denken befähigen.“

Wie schon gesagt, senkt tanzen auch das Demenzrisiko. Und zwar um 76 %. Also deutlich mehr  als Lesen mit  35 % oder Kreuzworträtsel mit 47 %. Entgegen vieler Erwartungen senkt Sport das Demenzrisiko allerdings kaum. Forscher erklären das so: Beim Tanzen ist das Nachdenken über die Tanzschritte erforderlich. Als Tänzer muss man darüber Entscheidungen treffen, welcher Tanzschritt als nächstes kommt. So entstehen neue Nervenverästelungen im Gehirn. Die Ausrede, man könne nicht tanzen, lassen Wissenschaftler nicht gelten, denn einfache Rhythmen wie bei Polka oder Foxtrott seien für jeden erlernbar.

Zusammengefasst lohnt es sich also, dass Tanzen zu erlernen.

Quelle: https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/tanzen-macht-schlau/

 

Von Lea Weber, Klasse 8a, Gerhart-Hauptmann-Gymnasium Wernigerode

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