Unsichtbarer Wunsch

Erwünscht, aber am besten nicht wahrnehmbar – das Biomasseheizkraftwerk Magdeburg

„Wir brauchen hier täglich ca. 8 LKWs mit Holzhackschnitzeln, um den Energiebedarf zu decken.“ Mit diesen Worten empfing uns Thomas Pietsch, Diplom-Ingenieur und Leiter von Vertrieb und Handel der SWM. Er erklärte uns, dass so eine Anlage eigentlich alle Vierteljahre gereinigt und gewartet werden müsse, es wäre nur ungünstig, mitten im Winter mit der Wärme-Produktion aufzuhören. Deshalb sei es auch in Ordnung, die Anlage nur alle halbe Jahre zu warten. Trotzdem benötigen die Kunden Wärme und Strom, deshalb wird während der Wartungsarbeiten die Holzverbrennung zwar abgestellt, aber der Energiebedarf wird durch Erdgasverbrennung trotzdem gedeckt. Eine solche Wartung steht dem Biomasseheizkraftwerk kurz bevor. Diese sei die erste für dieses Kraftwerk, seit dem Wiederaufbau in Magdeburg, so Herr Pietsch. Des Weiteren erläuterte er, dass dieses Kraftwerk ursprünglich in Tangermünde stand. Von dort wurde es aufgrund von Insolvenz ca. 74,9 km weit nach Magdeburg ins Industriegebiet gefahren. Dass das Kraftwerk dort steht, hat den Grund, dass die Leute grüne Energie zwar toll finden, ein Kraftwerk dafür wollen sie aber nicht in der Nachbarschaft haben. Trotzdem muss es in der Nähe der Kunden stehen, da sonst beim Wärme-Transport zu viel Wärme verloren gehen würde. Da aber auch im Industriegebiet Menschen wohnen, führte der SWM mit Anwohnern ein intensives Gespräch über ihr Vorhaben sowie über die Sorgen und Ängste der Anwohner. Ein Ergebnis dieser Gespräche war u.a., dass zwei Wände um das außenliegende Holzlager gebaut wurden, um die Geruchsbelästigung zu mindern.

Vor dem Bau musste der Boden teilweise ausgewechselt werden, da er durch die im Krieg zerstörte Firma für Pflanzenölherstellung dort verschmutzt wurde. Der Wiederaufbau kostete die SWM 11,5 Mio. € und 60.000 Stunden Arbeit – d.h. ca. 1 Jahr – von insgesamt 56 Firmen (ohne Transportfirmen) von denen 31 aus der Region stammen. Die geringe Bauzeit ist ein Rekord, da so ein Bau rund drei Jahre braucht – eigentlich. Das ca. 580 Tonnen schwere Werk steht auf einem Grundstück von etwa 10.000 m² und umfasst u.a. einen 28 m hohen, SWM-blauen Schornstein, einen Heißwasserspeicher von etwa 100 m³ Volumen und einen 50 Tonnen schweren Durchlauferhitzer. Für die täglichen Holzlieferungen gibt es eine große LKW-Waage. Da die Fahrer dieser LKW aus verschiedenen Ländern stammen, u.a. Deutschland und Polen, ist die Waage auf acht Sprachen zu bedienen. Die etwa 192 Tonnen Holzhackschnitzel, die täglich benötigt werden, stammen aus der Region, da ein weiter Transport unwirtschaftlich wäre. Sie kommen u.a. aus dem Umflutgebiet und vom Truppenübungsplatz.

Diese Holzhackschnitzel werden einmal täglich von einem Radlader vom Holzlager in zwei separate Holzladeräume gefahren. Von dort aus wird das Holz vollautomatisch in die Anlage transportiert. Die Holzhackschnitzel werden von einem Förderband automatisch zum Ofen transportiert, der natürlich videoüberwacht ist. Die dabei entstehenden Rauchgase werden über Rohre in einen Tank geleitet, in dessen Innerem sich der spiralförmige Durchlauferhitzer befindet. Durch den Durchlauferhitzer wird Thermalöl geleitet und somit kühlt es die etwa 1.000°C heißen Rauchgase. In ebenjenen Gasen sind nur 0,5 mg Feinstaub enthalten – erlaubt sind 40 mg. Dieses Ergebnis wird durch drei Filter erreicht. Das Thermalöl ist dann etwa 300°C heiß, und wenn es sich unter 90°C abkühlt, springt der Reservekessel mit Erdöl ein. Das heiße Thermalöl treibt über die Turbine den Generator an. Die Restwärme wird durch einen Wärmetauscher auf das Wasser übertragen und dieses dann in ca. 4,5 km lange Fernwärmeleitungen eingespeist und zu den Haushalten transportiert. Die komplette Anlage kann von nur zwei Spezialisten ferngesteuert werden. Der unterschiedliche Wärmebedarf morgens und abends wird über einen Heißwasserspeicher geregelt. Die ebenfalls entstehende Asche wird zur Grubenstabilisierung, z.B. in Zielitz, genutzt.

Von Bennet Knoll, Klasse 8a, Europaschule Gymnasium Gommern