Vom grauen Schaltschrank zum bunten Blickfang

Jeder kennt sie: Trafo-Stationen, Heizhäuser und Schaltschränke, mit Graffitis beschmiert oder anderweitig verunstaltet. Auch in Schönebeck sieht man sie immer wieder. Die Stadtwerke Schönebeck fanden jedoch die perfekte Lösung für dieses Problem: Sie verpassten ihren Stationen einfach ein hübsches Graffiti oder eine Wandmalerei. So wurden aus ihnen bunte Blickfänger, wie man sie vielleicht schon kennt. In einem Interview mit Ronny Claus (40), der seinen Beruf als Wandmaler seit zwölf Jahren tätigt, erfuhr man, wie viel Arbeit eigentlich dahinter steckt. Auch er hat in Schönebeck bereits einige Heizhäuser verziert und erzählt, was er in seinem Beruf, der gleichzeitig sein Hobby ist, so macht.

Vom grauen Schaltschrank bis zur Fertigstellung eines solchen Projekts dauert es einige Zeit: Erst einmal muss ein Künstler gefunden werden, der eine vorher ausgesuchte Station verschönert. Mit dieser Aufgabe wurde bei den Stadtwerken Schönebeck Annette Schreiber beauftragt. Entwürfe werden angefertigt und ausgewählt, dann muss noch das richtige Wetter kommen, damit es losgehen kann.

„Trockenes, sonniges Wetter ist am besten, aber es darf nicht zu warm sein, sonst trocknet die Farbe zu schnell.“, erklärt Ronny Claus. Wenn es dann soweit ist, braucht es noch Zeit, bis man die Station fertig bemalt hat. Drei Wochen benötigte R. Claus, das Heizhaus an der Kreuzung der Welsleber Straße und der Wilhelm-Helge-Straße zu bemalen. Dabei waren nicht nur Pinsel, sondern auch Spraydosen im Einsatz.

„Haben Sie schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht?“, lautet eine Frage im Interview, die R. Claus bejaht. Es sei schon vorgekommen, dass eine seiner Wandmalereien rücksichtslos übersprüht wurde, obwohl in der „Graffitiszene“ wohl das ungeschriebene Gesetz gilt, dass bereits gestaltete Objekte nicht nochmal besprüht werden.

„Nachteil ist auch, dass ich nicht bei jedem Wetter arbeiten kann.“ R. Claus würde seinen Beruf mittlerweile trotzdem nicht mehr gegen einen anderen tauschen wollen, auch bei ihm dauerte es zunächst acht Jahre, bis der Stein ins Rollen kam und er seine Nebenjobs aufgeben konnte. „Außerdem braucht man Talent. Nicht jeder kann diesen Beruf ausüben.“ Und gerade weil Ronny Claus dieser so viel Spaß macht, freut er sich die Stadt zu verschönern.

Friederike Thieme, Klasse 8/2, Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium, Schönebeck