Vorhang auf! Hier kommt Katharina Kutil!

Vom Kindheitstraum zum Beruf – Katharina Kutil ist Schriftstellerin, Schauspielerin und Regisseurin. Die Schülerinnen der 8. Klassen im Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium Schönebeck haben mit der Künstlerin ein Interview geführt.

Sie ist ein kreativer Kopf mit tausenden von Ideen. Schriftstellerin, Schauspielerin und Regisseurin, das alles ist die 49-jährige Katharina Kutil, die sich ihren Kindheitstraum, beim Theater anzufangen, erfüllen konnte. Auch Schönebeck bereichert sie mit der bekannten Sommeroperette des Bierer Bergs, welche jedes Jahr Erfolg und Begeisterung erntet.

Katharina Kutil im Klassenzimmer des Gymnasiums – Foto: Leni Matthis

Katharina Kutil (49) ist gebürtige Wienerin und arbeitet mittlerweile seit 29 Jahren in der Künstlerbranche. „Ich wollte schon immer zum Theater. Schon als Kind wollte ich nie was anderes machen. Ich habe nur ein einziges Mal geschwächelt. Ich wollte Krankenschwester werden, bis ich bemerkte, dass ich kein Blut sehen kann!“, sagt die 49-Jährige mit einem Lächeln. Und so blieb sie dabei: Sie wollte unbedingt zum Theater! Diese Entscheidung habe sie nie bereut.

Schriftstellerin, Schauspielerin und Regisseurin
Das damals junge Talent hat sich ausprobiert und war unter anderem 9 Jahre hauptsächlich in Wien als Regieassistentin tätig. Sie versuchte sich in Schauspiel beim Theater, Schriftstellerei und sogar im Film. Doch beim Film zu arbeiten langweilte Katharina Kutil. Das Theater hingegen begeisterte die abenteuerlustige Frau: „Das ist wie ein Seiltanz ohne Netz“, meint sie, „Man hat nur eine Chance das Publikum zu begeistern. Das macht die Sache aufregend und so spaßig.“ Hier stellt sich die Frage: wieso kommt so eine bewundernswerte Frau ausgerechnet nach Schönebeck?

Schönebeck und die Operette
Durch einen Zufall erfährt die Wienerin von der Schönebecker Sommeroperette. Auf dem Bierer Berg wurde ein Regisseur gesucht. Das Angebot sprach sie an. Sowas hatte sie noch nie gemacht und wollte das unbedingt mal ausprobieren. So landete die heutige Regisseurin der Sommeroperette in Schönebeck. Sie hat hier eine Wohnung und neue Freunde gefunden und pendelt zwischen Wien und Schönebeck hin und her. Immer mit dabei: ihre Katze, die sie damals fand und aufzog. Seitdem ist der aktive Vierbeiner ein treuer Wegbegleiter.

Seit 15 Jahren ist Katharina Kutil mittlerweile fester Bestandteil der Operette. Auf die Frage, ob sie denkt, dass die Operette eine Zukunft habe, äußert sie einen Wunsch: „Ich wünsche mir wieder neue Komponisten für dieses Genre. Text und Musik sind oft sehr unterschiedlich, so können Operetten auch versteckte Gefühle in einer Person sehr gut ausdrücken. Leider ging der eigentliche Sinn der Operette mit der Zeit verloren.“ Operetten seien aktueller als so mancher glaubt, denn sie kritisieren gesellschaftliche wie auch politische Probleme. Gerade jetzt wäre das sehr wichtig. „Die Operette ist eine Revolutionskunst.“, so die jetzt ernste Katharina Kutil. Auch die Operette diesen Jahres beschäftigt sich mit einem viel diskutierten Thema: In Boccaccio-so der Name der Operette- geht es um die Rolle der Frau. Das Thema wurde zum Anlass des 100jährigen Wahlrechts für Frauen gewählt.

Boccaccio
Die Emanzipation der Frau, das ist das Thema der diesjährigen Sommeroperette Boccaccio. Die Handlung spielt im 15. Jahrhundert, in dieser Zeit lebt der Mann Boccaccio, welcher unter anderem auch das Decamerone schrieb: Erotik- Geschichten, die vor insbesondere den Frauen gewidmet sind. „Das war damals eine unvorstellbare Sache. Ein großer Schritt.“, erklärt Katharina Kutil -eine Operette mit Biss, wie sie die 49-jährihge Frau beschreibt, so wie sie es liebe-. „Ich kann diese Geschichten nicht leiden, in denen Männlein und Weiblein zusammenfinden und alles ist prima. Die Geschichte kann ich in fünf Minuten erzählen, da brauch ich keine zwei Stunden!“ Auch in diesem Sommer führt Katharina Kutil wieder für Schönebeck Regie. „Am meisten freue ich mich ehrlich gesagt schon auf die Proben. Da treffen viele kreative Ideen aufeinander und das bewirkt Großartiges.“ Das sei oft auch eine Herausforderung, aber es mache ihr sehr viel Spaß. Und ganz Schönebeck freut sich auf die Aufführung der nächsten Sommeroperette, denn Katharina Kutil kennt mittlerweile ihr Publikum und weiß was dieses besonders anspricht.

Kinderoperette

Katharina Kutil mit Schülerinnen der 8. Klasse – Foto: Leni Matthis

Sogar für alle kleinen Besucher gibt es auch dieses Jahr wieder eine Kinderoperette. „Wir wollen den Kindern das Genre der Operette näher bringen“, sagt Katharina Kutil. Um dieses Vorhaben in diesem Jahr spielerisch umzusetzen, wird ein Gedichtewettbewerb veranstaltet. „Boccaccio war ein Dichter und in der Operette geht es unter anderem viel um das Thema Liebe“, gibt die Regisseurin bekannt. Bei diesem Wettbewerb können Kinder bis 16 Jahre ein Gedicht über Liebe schreiben und diese vorher bei der Kammerphilharmonie einreichen. Hierbei sind den Kindern im Thema Liebe keine Grenzen gesetzt. „Man kann seine Katze, Fußball, seine Eltern oder seinen Freund oder Freundin lieben“, macht Frau Kutil klar. So werden sicherlich am Ende einige vielseitige Gedichte eingesendet. Die besten werden bei der Aufführung der Kinderoperette vorgelesen. Am Ende werden alle Werke der jungen Künstler in eine erhältliche Broschüre aufgenommen.

Von Johanna M. Koltermann
Klasse: 8/2
Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium Schönebeck

 

Johanna Koltermann gewann mit ihrem Artikel den Sonderpreis der Stadtwerke Schönebeck.

 

Quellen: Interview mit Katharina Kutil, durchgeführt von Schülerinnen der 8. Klassen im Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium Schönebeck